Sechs Monate nach dem Raub: Wo sind die Louvre-Juwelen?
Autor: Sabine Glaubitz, dpa
, Sonntag, 19. April 2026
Verdächtige sind gefasst, die Beute bleibt verschwunden. In Polizeikreisen spricht man von «verfluchtem Schmuck». Wo stehen die Ermittlungen sechs Monate nach dem Einbruch im Pariser Museum?
Rund sieben Minuten. Mehr brauchte es nicht für einen der spektakulärsten Raubzüge der vergangenen Jahre. Sechs Monate später ist das wichtigste Stück des Falls weiter verschwunden: Juwelen im Wert von geschätzten 88 Millionen Euro aus dem Louvre.
Ist ein Teil der Beute aus dem berühmten Museum bereits verkauft oder eingeschmolzen? Gab es einen Auftraggeber – oder eine Hehlerstruktur im Hintergrund?
Widersprüche im Fall
An Hinweisen mangelte es den Ermittlern nach dem Raub am 19. Oktober zunächst nicht. Eine Quelle sprach von einer geplanten Übergabe des Schmucks aus dem Zweiten Kaiserreich in einem Hotelzimmer. Eine andere behauptete, die Täter hätten mit einem kleinen Privatflugzeug vom Flugplatz Lognes im Osten von Paris fliehen wollen. Auch Spekulationen über eine mögliche russische Einflussnahme machten früh die Runde – sie erwiesen sich jedoch als haltlos.
Für zusätzliche Verwirrung sorgten widersprüchliche Aussagen der Verdächtigen. Bis Ende November identifizierten die Ermittler vier mutmaßliche Haupttäter, die inzwischen in Untersuchungshaft sitzen. Einer von ihnen ist mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen schwerer Zuhälterei und Hehlerei.
Ein Verdächtiger erklärte zunächst, ihm sei die Beute direkt nach der Tat abgenommen worden; er sei «manipuliert» worden und habe nicht gewusst, dass es sich um den Louvre handelte. Später änderte er seine Aussage und sprach von angeblichen «slawischen» Auftraggebern. Hinweise darauf fanden die Ermittler jedoch nicht.
Eine zentrale Spur?
Nach Informationen der französischen Tageszeitung «Le Parisien» aus Ermittlerkreisen soll ein internes Sicherheitsaudit aus dem Jahr 2018 eine entscheidende Rolle gespielt haben. Es soll Schwachstellen im Sicherheitssystem des Museums detailliert beschrieben haben. Wie die Verdächtigen an das Dokument gelangten, ist unklar.
Aus Sicht der Justiz verdichtet sich laut der Zeitung inzwischen ein einfacheres Szenario: Der Coup könnte vollständig von den mutmaßlichen Tätern selbst geplant und ausgeführt worden sein.