Schwimmunterricht in Gaza - Momente des Glücks für Kinder
Autor: Cindy Riechau und Emad Drimly, dpa
, Montag, 31. August 2026
Im provisorischen Becken am Strand lernen Kinder aus dem Gazastreifen schwimmen. Für die Mädchen und Jungen, deren Leben geprägt vom Krieg ist, ist das Schwimmen viel mehr als nur ein Sport.
Für den elfjährigen Mohammed al-Nadschi ist der Strand im Gazastreifen zu einem Ort der Zuflucht geworden. «Wenn ich ins Meer gehe, habe ich das Gefühl, alles hinter mir zu lassen», sagt der junge Palästinenser, der während des Kriegs sein Zuhause verloren hat und mehrfach fliehen musste.
Damit sich Kinder wie Mohammed von ihrem schweren Alltag ablenken können, bringen Amdschad Tantisch und seine Kollegen ihnen kostenlos das Schwimmen bei. Tantisch erteilt bereits seit vielen Jahren Schwimmunterricht im Gazastreifen, wegen der Kämpfe hat er die Kurse seiner «Swimming Academy» jedoch für längere Zeit eingestellt. Seit dem Sommer findet das Training nun wieder statt. Seitdem haben laut Tantisch bereits Hunderte Kinder im Gazastreifen schwimmen gelernt.
Das Team hat dafür im Meer provisorisch Becken mit Hilfe von Sandsäcken und Schutt abgeteilt. «Sport kann die Folgen des Krieges nicht auslöschen, aber er kann einem Kind Momente schenken, in denen es sich sicher und glücklich fühlt», sagt Tantisch der Deutschen Presse-Agentur.
Humanitäre Lage in Gaza weiterhin katastrophal
Seit Oktober 2025 gilt eine Waffenruhe im Gaza-Krieg, dennoch gibt es immer wieder tödliche Konfrontationen und Angriffe. Beide Seiten werfen sich Verstöße gegen das Abkommen vor. Israel kontrolliert weiterhin mehr als die Hälfte des Gazastreifens, im restlichen Gebiet hat die islamistische Terrororganisation Hamas ihre Kontrolle wieder gefestigt.
Auslöser des verheerenden Gaza-Kriegs war das Massaker der Hamas und anderer extremistischer Gruppen am 7. Oktober 2023, bei dem rund 1.200 Menschen in Israel getötet und mehr als 250 Geiseln in den Gazastreifen verschleppt wurden. Nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde wurden seitdem mehr als 73.400 Palästinenser getötet - die Zahl unterscheidet nicht zwischen Zivilisten und Kämpfern.
UN-Angaben zufolge sind mehr als 21.000 Kinder und Jugendliche ums Leben gekommen. Allein seit Beginn der Waffenruhe sind demnach mindestens 300 Minderjährige bei israelischen Angriffen oder durch zunächst nicht explodierte Munition getötet worden.
Auch die humanitäre Lage im Gazastreifen ist weiterhin katastrophal. Viele Menschen harren weiterhin in überfüllten Zeltlagern aus. Das Küstengebiet wurde in den Kriegsjahren großflächig zerstört. In einem Bericht das Welternährungsprogramms WFP hieß es im Juni, die Ernährungsunsicherheit sei weiterhin gravierend. Laut dem UN-Kinderhilfswerk Unicef leidet ein Großteil der Menschen auch unter Wasserknappheit. Israel betont, dass sich die Situation erheblich verbessert habe, die Hamas aber humanitäre Hilfe behindere und etwa Güter stehle oder Steuern darauf erhebe.