Anklage: Ex-Freundin des Vaters soll Fabian getötet haben
Autor: Christopher Hirsch und Helmut Reuter, dpa
, Dienstag, 28. April 2026
Der achtjährige Fabian wird an einem Teich erstochen. Die Ex-Freundin des Vaters steht unter Tatverdacht. Sie soll das Kind getötet haben, weil sie das Aus der Beziehung zum Vater nicht akzeptierte.
Nach nur 16 Minuten ist der erste Verhandlungstag zu Ende. Die Anklage im Fall des am 10. Oktober 2025 getöteten achtjährigen Fabian aus Güstrow ist kurz und heftig. Fabians Mutter und die des Mordes an ihrem Sohn angeklagte 30-jährige Tatverdächtige trennen keine zehn Meter. Im Gerichtssaal 2.002 des Landgerichts Rostock sitzen rund 80 Zuschauer und 30 Medienvertreter. Die Angeklagte wird um Punkt 9.30 Uhr in Fußfesseln in den Saal geführt und hält sich einen roten Aktendeckel vors Gesicht.
Sie ist laut Staatsanwaltschaft die Ex-Freundin von Fabians Vater, mit dem sie bis August 2025 etwa vier Jahre lang zusammen war. Seit 7. November 2025 sitzt sie in U-Haft. Von Fabians Mutter, die persönlich als Nebenklägerin am Prozess teilnimmt, lebt der Vater getrennt.
Zu Beginn der Beziehung zwischen der Angeklagten und Fabians Vater habe der Junge diesen noch regelmäßig besucht - auch, um mit dem etwas jüngeren Sohn der Angeklagten zu spielen. Der Kontakt brach demnach aber ab, nachdem Fabian eine körperliche Auseinandersetzung zwischen seinem Vater und der Beschuldigten miterlebt hatte. Erst nach der Trennung der beiden habe Fabian seinen Vater wieder regelmäßig besucht von Freitag bis Sonntag.
Am 9. Oktober 2025 - dem Tag vor Fabians Verschwinden - machte der Vater laut Staatsanwalt der Angeklagten per Chat-Nachricht klar, dass er die Beziehung nicht wieder aufleben lassen wolle, auch um den Kontakt zu seinem Sohn nicht zu gefährden.
Der Tattag
Die Geschehnisse des Folgetags, eines Freitags, schilderte die Anklage detailliert. Die Angeklagte sei erbost über die endgültig erscheinende Trennung gewesen und mit ihrem Auto um 10.43 Uhr zur Wohnung von Fabian und dessen Mutter in Güstrow gefahren.
Der Grundschüler war an dem Tag zu Hause geblieben, weil er sich nicht gut fühlte. Die Mutter war zur Arbeit gegangen. Wie die damals 29-jährige Frau den Jungen dazu bewegte, in ihr unweit geparktes Auto zu steigen, ist unklar. Doch Fabian stieg ein. Im Auto war auch der Hund der Angeklagten.
Mit dem Wagen fuhren sie in ein Waldstück zwischen der L11 und dem Lähnwitzsee südwestlich von Güstrow. Dort habe die Frau ihren Hund kurz laufenlassen und ihr Smartphone deaktiviert. Dann fuhren sie den Angaben zufolge über einen Feldweg Richtung Klein Upahl, etwa 15 Kilometer von Güstrow entfernt, und gingen an eine Art Tümpel.