Schweizer Inferno: U-Haft-Antrag am Trauertag
Autor: Albert Otti, Robert Messer, Matthias Röder und Rachel Sommer, dpa
, Freitag, 09. Januar 2026
Nach der Katastrophe in einer Bar rückt das Betreiberpaar in den Fokus der Ermittlungen. Für den Ehemann sieht die Justiz ein Fluchtrisiko. Seine Frau wendet sich an die Öffentlichkeit.
Am offiziellen Trauertag für die 40 Todesopfer der Schweizer Brandkatastrophe von Crans-Montana ist Bewegung in die Justiz-Ermittlungen gekommen. Für den französischen Betreiber der Bar im Skiort Crans-Montana, die in der Silvesternacht gebrannt hatte, wurde Untersuchungshaft beantragt, wie die Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis mitteilte.
«Aufgrund seiner Aussagen, seines bisherigen Lebenslaufes sowie seiner persönlichen Situation in der Schweiz und im Ausland erachtete die Staatsanwaltschaft die Fluchtgefahr als konkret», teilte die Behörde weiter zu dem Gastronomen Jacques Moretti mit. Diese Gefahr gelte nicht für seine Frau, mit der er gemeinsam die Bar betrieben hatte.
Bei dem Inferno waren 40 meist junge Menschen ums Leben gekommen, fast 120 wurden zum Teil schwer verletzt. Laut Ermittlern hatte eine funkensprühende Partyfontäne die Schaumstoffverkleidung der Decke der Bar «Le Constellation» in Crans-Montana in Brand gesetzt.
Schweizer Bundespräsident über Inferno: «Undenkbar»
Zuvor gedachten die Schweiz und andere Nationen in einer bewegenden Trauerfeier im nahe gelegenen Martigny der Toten. Die Träume vieler junger Menschen seien vorzeitig in der Asche einer Nacht des Grauens zunichtegemacht worden, sagte der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin. Zugleich forderte er eine lückenlose Aufklärung des Geschehens. Verfehlungen seien «ohne Verzögerung und ohne Nachsicht» aufzudecken.
«Undenkbar» - mit diesem Wort beschrieb Parmelin in seiner Rede das Inferno. «Undenkbar, weil ein Land, dass sich als Hort der Korrektheit und der Zuverlässigkeit versteht, in der Lage sein muss, das Risiko zu erkennen, diesen allgegenwärtigen Schatten, der immer auf der Suche nach Schwachstellen auf der Lauer liegt», sagte der Politiker. Es gelte, Lehren zu ziehen und künftig für die größtmögliche Sicherheit in öffentlichen Einrichtungen zu sorgen, sagte Parmelin.
Der Regierungschef des Schweizer Kantons Wallis, Mathias Reynard, bat bei der Trauerfeier die Angehörigen um Entschuldigung. Aus Deutschland war Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) angereist. Elf Überlebende werden in deutschen Kliniken behandelt - unter anderem in Hospitälern in Baden-Württemberg.
Auch junge Fußballer unter den Opfern
Fast alle Todesopfer waren Teenager und junge Erwachsene - die jüngsten waren erst 14 Jahre alt. Unter den Toten sind auch neun junge Schweizer Fußballer aus Regionalvereinen. Das gab der Schweizer Fußball-Verband (SFV) am nationalen Trauertag für die Tragödie in einem Post auf der Plattform X bekannt.