«Ein rabenschwarzer Tag»: Zug prallt in Belgien in Schulbus
Autor: Leonie Asendorpf und Katharina Redanz, dpa
, Dienstag, 26. Mai 2026
Bei Sonnenschein und 30 Grad im belgischen Buggenhout ist die Stimmung bedrückt: Ein Zug stößt mit einem Schulbus zusammen, vier Menschen sterben. Zeugen vor Ort berichten von traurigen Szenen.
Von einem «rabenschwarzen Tag» spricht Politiker Kurt Moens, man sei schockiert und «zutiefst getroffen von dem, was geschehen ist», sagt Bürgermeister Geert Hermans: Vier Menschen kommen am Morgen bei einem Zusammenprall zwischen einem Schulbus und einem Zug im flämischen Ort Buggenhout ums Leben. Ganz Belgien ist getroffen, die beiden Politiker und weitere Vertreter von Behörden und Gemeinde ringen bei einer Pressekonferenz sichtlich mit den Worten.
Der Bus war den Angaben nach gegen 8.00 Uhr auf dem Weg zu einem sonderpädagogischen Schulzentrum, in dem Schülerinnen und Schüler mit Verhaltens- und emotionalen Störungen sowie mit Autismus-Spektrum-Störungen unterrichtet werden. Er prallte ersten Erkenntnissen nach gegen eine Schranke an einem Bahnübergang und wurde dann von einem Zug erfasst.
Der 49 Jahre alte Busfahrer, zwei Jugendliche im Alter von 12 und 15 Jahren und eine 27 Jahre alte Begleitperson, die allesamt mit dem Bus unterwegs gewesen waren, starben. Fünf weitere Kinder wurden zunächst schwer verletzt und in kritischem Zustand ins Krankenhaus gebracht. Ihr Zustand war zunächst stabil. Von den rund 100 Zugpassagieren erlitt eine Person einen Schock, sagt ein Sprecher des belgischen Bahnunternehmens SNCB.
Schranke am Bahnübergang war geschlossen
Wie konnte es zu dem Unglück kommen? «Unsere Kamera belegen, dass der Bahnübergang ganz normal geschlossen war und eine Schranke von dem Bus verbogen wurde, als dieser auf den Bahnübergang fuhr», schildert Frédéric Sacré, Sprecher von Infrabel, dem staatlichen Betreiber der Eisenbahninfrastruktur Belgiens, der belgischen Nachrichtenagentur Belga. Auch das rote Warnsignal soll geleuchtet haben.
Der Bus sei vor dem Unfall auf einer Straße entlang der Bahnlinie unterwegs gewesen, dann sei er nach links auf den Bahnübergang abgebogen. Demnach prallte der Bus nicht nur gegen die Schranke, sondern auch gegen einen Metallmast, der Teile des Bahnübergangs stützte. Das habe die Situation mit Sicherheit weiter verschlimmert, so Sacré. «Der Zusammenstoß war extrem heftig.» Als besonders gefährlich gelte der Bahnübergang nicht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt noch zur genauen Unfallursache, das müsse man abwarten, sagt Belgiens Mobilitätsminister Jean-Luc Crucke.
Der Busfahrer sei nicht vorbestraft gewesen, sagte Lisa De Wilde, Sprecherin der Staatsanwaltschaft, auf einer Pressekonferenz am späten Nachmittag. Ein Atemalkoholtest bei dem Zugfahrer sei negativ ausgefallen. Der Verkehr auf der Bahnstrecke sollte am Abend schrittweise wieder aufgenommen werden.
Zeuge: Hörte plötzlich lauten Knall
Ein Mann stand vor dem geschlossenen Bahnübergang und wurde Zeuge des Unglücks. «Der Lieferwagen wurde in die Luft geschleudert, regelrecht katapultiert. Es ging blitzschnell, man glaubt gar nicht, wie schnell das geht. Meine Frau rannte dann hin, sie hörte Schreie und Weinen», erzählt er dem belgischen Sender VRT.