Amoktat in Schongau: Schüler retten mit ihren T-Shirts Leben
Autor: Sabine Dobel, Frederick Mersi und Christoph Trost, dpa
, Donnerstag, 09. Juli 2026
Mit T-Shirts als lebensrettenden Druckverbänden helfen Schongauer Schüler nach einer Messerattacke zwei Mädchen. Ein Ex-Schüler soll sie niedergestochen haben. Er sitzt nun in U-Haft.
Mutmaßlich ein ehemaliger Schüler sticht an einer Schule im oberbayerischen Schongau zwei Mädchen nieder. Andere Schüler eilen herbei, reißen sich T-Shirts vom Leib, legen Druckverbände an - und retten so wahrscheinlich einem der 13-jährigen Mädchen das Leben. Polizei und Lehrkräfte überwältigen den 16-jährigen mutmaßlichen Angreifer, der neben einem Messer auch eine Pistole dabeihat. Dramatische Szenen haben sich an der Schule zugetragen - die Rückkehr zur Normalität wird dauern. Das Geschehene wirkt nach in dem 12.000-Einwohner-Ort und vor allem in der Schule mit ihren 800 Schülerinnen und Schülern und 80 Lehrkräften.
Ermittlungen gegen den 16-Jährigen
Der 16-Jährige sitzt nun in Untersuchungshaft in einer Justizvollzugsanstalt. Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt gegen ihn wegen versuchten Mordes. Der Jugendliche soll sich bei der Tat in einer «psychischen Ausnahmesituation» befunden haben. Er befand sich zumindest zeitweise in psychiatrischer Behandlung.
Der 16-jährige Kroate war den Sicherheitsbehörden bereits bekannt. Wegen zweier Vorfälle aus dem Jahr 2025 habe die Staatsanwaltschaft München II gegen ihn ermittelt, weil er unter anderem Mitschüler bedroht und in sozialen Netzwerken Amokläufe verherrlicht haben soll, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Haftgründe hätten in diesem Ermittlungsverfahren aber «zu keinem Zeitpunkt» vorgelegen.
Pistole aus dem 3D-Drucker?
Sichergestellt wurden das Messer, eine Pistole und Munition. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur prüfen die Ermittler, ob es sich bei der Schusswaffe, mit der der mutmaßliche Täter einen Schuss abgab und die dann versagte, um eine per 3D-Drucker hergestellte Waffe handelt.
Demnach gab der 16-Jährige an, sich die Waffe im Darknet besorgt zu haben.
Tatsächlich hätten die Ermittler eine eher geringe Zahl an Patronen sichergestellt, hieß es weiter. Die Waffe wurde nach dpa-Informationen bei einem Rucksack gefunden, den der 16-Jährige nach seiner Tat auf dem Schulhof im Umfeld des Tatorts deponiert habe. Er habe Polizeibeamte nach seiner Festnahme selbst darauf hingewiesen. Bei dem Messer soll es sich jedenfalls um kein Haushaltsmesser handeln.
Aufarbeitung an der Schule
An der Schule steht am Tag danach die Aufarbeitung im Vordergrund. Kriseninterventionsteams helfen Schülern und Lehrern, das zu verarbeiten, was am Mittwoch an ihrer Schule geschehen ist. Einige der Schüler erlebten hautnah, wie der ehemalige Mitschüler das Schulgelände betrat, wie er laut Polizei einen Schuss aus einer Pistole abgab und dann, als die Waffe versagte, mit einem Messer auf die beiden 13-Jährigen losging.
T-Shirts als Druckverband
Mehrere Schülerinnen und Schüler eilten sofort zu Hilfe und starteten geistesgegenwärtig die Erstversorgung noch vor dem Eintreffen der Rettungskräfte. «Die Ersten haben gleich Rettungskräfte und Polizei angerufen. Mitschüler von mir, ich hab auch gleich natürlich mitgeholfen, haben ihre Hemden und Shirts von sich gerissen, haben sie als Druckverbände benutzt, um die Blutungen zu stillen. Alles mit voller Kraft draufgedrückt», berichtete der 19-jährige Levi Lachmann.