Schlüsselkästen: Wie Europas Städte mit dem Phänomen umgehen
Autor: den dpa-Korrespondenten
, Donnerstag, 15. Januar 2026
Skandinavien liebt sie, Italien verbietet sie, Spanien beschmiert sie: Schlüsselkästen polarisieren in europäischen Städten, doch nicht alle gehen damit gleich um.
Mancherorts gelten sie als praktischer Helfer, in anderen Gegenden sind sie Einheimischen ein Dorn im Auge - und manchmal sind sogar Sozial- und Hilfsdienste auf sie angewiesen: Schlüsselkasten, oft im öffentlichen Raum oder direkt vor der Ferienwohnung angebracht, haben sich gerade im Tourismus in den vergangenen Jahren stark verbreitet.
Von Vermietern werden die kleinen Boxen oft zur einfachen Schlüsselübergabe genutzt, etwa bei Plattformen wie Airbnb oder Booking. Sie ermöglichen Gästen einen kontaktlosen Check-in und sparen den Anbietern zusätzlichen Aufwand. Der Besucher kann den Kasten ganz einfach mit einem Zahlencode öffnen und den Schlüssel entnehmen.
So einfach, so gut. Doch in manchen Teilen Europas regt sich seit Monaten der Unmut über die Kästchen. Das Stadtbild sollen sie beeinträchtigen und schlichtweg ein Symbol für Massentourismus sein. Selbst Verbote gibt es schon. Doch nicht alle Touristen-Hotspots gehen mit dem Phänomen gleich um. Ein Blick in europäische Städte:
Spanien: Keyboxes teils mit Fäkalien beschmiert
Im Zuge der wachsenden Kontroverse über Massentourismus geraten die Kästchen in Spanien zunehmend ins Visier. Als erste – und bislang einzige – Region hat die sogenannte Autonome Gemeinschaft Valencia im Sommer 2024 Keyboxes für Ferienwohnungen im öffentlichen Raum ausdrücklich verboten. Vermieter dürfen ihre Gäste dort seither nur noch persönlich empfangen oder einen beauftragten Empfangsdienst einsetzen.
In anderen Teilen des beliebten Urlaubslandes, wo es bislang kein vergleichbares Verbot gibt, entlädt sich der Unmut zunehmend auf der Straße. In Sevilla wurden Schlüsselkästen gezielt beschmiert, teils mit Fäkalien. In Madrid werden sie häufig mit Klebstoff unbrauchbar gemacht.
Auf Mallorca zerstörten Aktivisten im Juni, kurz nach einer neuen Großdemo gegen Massentourismus, Schlüsselboxen und elektronische Codeschlösser mit Hämmern - und posteten Videos der Aktion in den sozialen Medien. Zu solchen Protesten kommt es mit Blick auf die angespannte Wohnraumsituation immer wieder. «Während wir jungen Menschen uns kein eigenständiges Leben leisten können, gibt es andere, die sich an unserer Misere bereichern», schrieb etwa die Protestbewegung Arran auf Instagram.
Skandinavien: Gern gesehener Helfer
In Kopenhagen und vielen anderen skandinavischen Städten sind Schlüsselboxen längst der Regelfall statt eine Ausnahme. Gerade im Winter im kühlen Norden Europas kann es allerdings vorkommen, dass es dennoch zu einem ersten Kontakt mit den Vermietern kommt – etwa dann, wenn sich der Zahlencode in der Kälte nicht einstellen oder sich der Kasten anderweitig nicht aufbekommen lässt.