Zweiter Täter verurteilt: Elf Jahre Haft für Säureanschlag
Autor: Wolfram Lumpe und Frank Christiansen, dpa
, Montag, 19. Februar 2024
Vor fast sechs Jahren lauerten zwei Männer Topmanager Bernhard Günter auf, als der sonntags vom Joggen kam und mit frischen Brötchen nach Hause ging. Sie schütteten ihm Schwefelsäure ins Gesicht.
Für den Säureanschlag auf Energie-Topmanager Bernhard Günther in Haan bei Düsseldorf ist ein zweiter mutmaßlicher Täter verurteilt worden - zu elf Jahren Haft. Das Landgericht in Wuppertal sprach den 37-Jährigen wegen schwerer Körperverletzung schuldig. Die Staatsanwaltschaft hatte zwölf Jahre Haft beantragt. Die Verteidiger hatten einen Freispruch gefordert.
Beide Attentäter hätten erreichen wollen, dass Günther erblindet, das sei eindeutig, sagte der Vorsitzende Richter Klaus Blume. Beide hätten sich aus einem Bordell gekannt. Bei der Auswertung eines Handys habe ein gelöschter Chat der beiden Männer wieder hergestellt werden können; der 37-jährige Hobby-Ringer habe zudem ein auffälliges Verhalten an den Tag gelegt und zwei Tage nach der Tat seine Handynummer gelöscht. Der Hintermann, der den Anschlag in Auftrag gegeben habe, sei weiterhin unbekannt, räumte der Richter ein.
«Wir sind froh über die klare Verurteilung», sagte Günther nach Prozessende. «Unser Weg ist damit noch nicht zu Ende. Wir setzen weiterhin alles daran, die Hintermänner und den Auftraggeber benennen zu können. Bisher lagen wir mit unserer Hypothese, dass der Auftraggeber aus meinem beruflichen Umfeld kommt, richtig. Das hat dieses und auch das zurückliegende Verfahren bestätigt.»
Aufgelauert während der sonntäglichen Joggingrunde
Auf Günther war am 4. März 2018 ein Anschlag verübt worden: Zwei Männer lauerten dem Manager in der Nähe seines Privathauses in Haan bei Düsseldorf auf und übergossen ihn mit hochkonzentrierter Schwefelsäure. Günther kam gerade von seiner sonntäglichen Joggingrunde und hatte nach einem Abstecher beim Bäcker frische Brötchen dabei.
Der inzwischen 57-jährige Manager wurde schwer verletzt. Augenlider und Teile seiner Gesichtshaut mussten transplantiert werden. Er musste sich zahlreichen Operationen unterziehen und drohte zeitweise zu erblinden.
Der Manager war damals Finanzchef des Energiekonzerns Innogy, der wenige Tage später vom Eon-Konzern übernommen wurde. Heute ist er Manager beim finnischen Energieversorger Fortum mit mehr als 19.000 Mitarbeitern.
Ein Täter mit belgischem Pass war wegen des grausamen Angriffs bereits 2022 zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Die Strafe ist inzwischen rechtskräftig. Bei in erster Instanz verurteilten Mann soll es sich um dessen Komplizen handeln, den zweiten Mann am Tatort.