So will die Bahn für mehr Sicherheit sorgen
Autor: Fabian Nitschmann und Mona Wenisch, dpa
, Montag, 08. Juni 2026
Die Zahl von Kameras, Bodycams und Schutzhelmen wird aufgestockt: Die Bahn setzt auf neue Technik und Ausrüstung, um das Sicherheitsgefühl ihrer Beschäftigten und Fahrgäste zu stärken.
Der tödliche Angriff auf einen Zugbegleiter in der Westpfalz war ein schwerer Einschnitt für die Deutsche Bahn, das Thema Sicherheit hat seitdem einen völlig neuen Stellenwert. «Wir erleben momentan in unserer Gesellschaft eine durchaus schwierige Entwicklung», sagte der für den Regionalverkehr zuständige Bahn-Vorstand Harmen van Zijderveld bei einem Termin am Hauptbahnhof in Frankfurt. Das spiegele sich auch in den Zügen wider.
Die Bahn könne die gesellschaftliche Entwicklung nicht ändern, sagte van Zijderveld. Sie könne aber dafür sorgen, dass die Züge ein sicherer Raum seien. «Angst hat in unseren Zügen keinen Platz.»
Zahl der Übergriffe regional unterschiedlich
Nach Angaben der Bundesregierung wurden 2025 rund 2.690 Angriffe auf Beschäftigte der Deutschen Bahn von der Bundespolizei aufgenommen – etwa elf Prozent mehr als im Vorjahr. In der Statistik der Bahn, die auch nicht angezeigte Übergriffe enthält, ist der Trend positiver: Bei DB Regio gab es 2025 demnach sieben Prozent weniger körperliche Angriffe als im Jahr davor, allerdings bei großen regionalen Unterschieden. In der Region Mitte zum Beispiel sei die Zahl der Übergriffe im selben Zeitraum um 15 Prozent gestiegen.
In dieser Region, die sich aus Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und dem nordbadischen Raum zusammensetzt, kam es Anfang Februar in einer Regionalbahn auch zu dem tödlichen Angriff auf den 36 Jahre alten Zugbegleiter Serkan Çalar. Er wurde von einem Fahrgast bei einer Ticketkontrolle mit Faustschlägen gegen den Kopf so stark verletzt, dass er später im Krankenhaus starb.
Wie die Bahn für mehr Sicherheit sorgen will:
Videoauswertung mit KI
Die Bahn überwacht die Züge und Bahnhöfe mit Tausenden Kameras, allein in den Stationen sind es bundesweit rund 11.000 Stück. Künftig könnten Aufnahmen der Kameras in den Zügen in Echtzeit an die Verkehrszentrale weitergeleitet werden, teilte der Konzern mit. «Die KI wertet die Aufnahmen dann aus und meldet Konflikte, etwa einen Streit unter Fahrgästen oder Randalierer.»
Doppelte Besetzung in den Zügen
Umfragen der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG zeigen immer wieder, dass sich viele Zugbegleiter bei ihrer Arbeit nicht sicher fühlen. Die Gewerkschaft fordert daher schon lange eine Doppelbesetzung in den Zügen, damit kein Zugbegleiter mehr allein auf einem Zug arbeiten und zum Beispiel Tickets kontrollieren muss.