Dies könne dazu führen, «dass jemand überreagiert» und «Dinge tut, die ein normaler Mensch in diesem Moment nicht tut». Das könnte einer der Gründe sein, warum es dann zu diesen Schüssen kam, sagte der Verteidiger.
Alle 17 Schuss aus Dienstwaffe abgefeuert
Die Anklage wirft dem 19-Jährigen auch versuchten Mord und besonders schweren Raub vor. Mit dem Tat habe er seine Beteiligung an dem Tankstellenüberfall verdecken wollen, sagte Nassiry. Außerdem seien die Mordmerkmale Grausamkeit und Mordlust gegeben.
Der Angeklagte soll auf den bereits am Boden liegenden wehrlosen Polizeibeamten noch mal «gezielt aus nächster Nähe mit absolutem Vernichtungswillen» mehrfach geschossen haben. Den letzten Schuss habe er «fast an den Kopf» aufgesetzt, sagte der Oberstaatsanwalt.
Der junge Mann habe alle 17 Schuss aus dem Magazin abgefeuert. Die Tat sorgte bundesweit für Entsetzten. Am ersten Prozesstag war der Zuschauerraum bis auf den letzten Platz belegt.
Der Angeklagte soll psychisch krank sein
Aufmerksam hörte man auch den Aussagen des Angeklagten zu, der mit leiser Stimme und gesenktem Kopf über sich und sein Leben erzählte. Seit der Grundschule leide er unter wiederkehrenden «schlechten Gedanken» und auch Angstzuständen. Er habe bereits etliche Ärzte besucht.
Und er nehme deswegen auch Medikamente. Im letzten Jahr seien diese Gedanken und Gefühle mehr geworden. «Ich fühle mich beobachtet. Und ich habe das Gefühl, die Leute lästern über mich.» Wegen seiner Probleme sei er auch zwischenzeitlich länger nicht zur Schule gegangen.
Das Reden fällt dem Angeklagten sichtlich schwer. Immer wieder macht der Schüler lange Pausen. Die Vorsitzende Richterin Jennifer Klingelhöfer sagte, es könnte auch eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus in Betracht kommen.
Große Betroffenheit gibt es auch bei der Polizei. «Man hat diesen Tag des Prozessbeginns natürlich irgendwie herbeigesehnt und gleichzeitig hat man ihn natürlich auch gefürchtet», sagte der saarländische Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Andreas Rinnert.
Die Einlassung des Angeklagten hinterlasse Spuren. Es mache doch sehr nachdenklich, wenn man «den Eindruck gewinne, man könnte hier eine gewisse Schuldumkehr rauslesen» - nach dem Motto: eigentlich sei die Polizei schuld und der Angeklagte habe «nur aus Angst» gehandelt.
Da der Angeklagte Heranwachsender ist, steht er vor der Jugendkammer des Landgerichts. Wenn er für das Tötungsdelikt nach Jugendstrafrecht verurteilt werde, drohten bis zu 15 Jahre Haft, sagte der Gerichtssprecher. Der Prozess ist bis 14. April terminiert.