Angst und Alpträume nach Axtangriff in ICE - Prozessbeginn
Autor: dpa
, Dienstag, 02. Juni 2026
Dramatische Szenen in einem ICE in Niederbayern: Mehrere Fahrgäste werden von einem Mann mit einer Axt angegriffen. Nun steht der Beschuldigte in Regensburg vor Gericht.
Aus dem Nichts heraus eskaliert am 3. Juli 2025 in einem fahrenden Zug in Niederbayern die Situation: Ein junger Mann spricht den Ermittlungen nach einen Mitreisenden an, wenig später hält er eine Axt in der Hand und schlägt zu - erst auf den Kopf eines weiteren Mannes, der einen Notruf tätigt, dann trifft die Axt den Kopf der Mutter des anderen Mitreisenden. Vor dem Landgericht Regensburg hat jetzt der Prozess gegen den 21-jährigen mutmaßlichen Täter begonnen.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Syrer versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung vor und geht bei ihm von Schuldunfähigkeit aufgrund einer psychischen Erkrankung aus. Zu Prozessbeginn schweigt der Beschuldigte, die Verhandlung verfolgt er zumeist mit gesenktem Blick. Die Zeugen dagegen berichten ausführlich von den dramatischen Minuten, die sie bis heute psychisch und teils auch physisch belasten.
Anhand der Zeugenaussagen versuchen Richter, Staatsanwalt, Verteidiger, Sachverständige und Nebenklagevertreter sich ein Bild von dem Geschehen zu machen. Was ist an jenem Tag im ICE 91 in Wagen 34 um kurz vor 14.00 Uhr passiert? Der Zug, der in Richtung Wien fuhr, kam nahe Straßkirchen (Landkreis Straubing-Bogen) zum Stehen.
«Mit feindseligem Blick»
Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft sprach der beschuldigte Syrer zunächst einen 25 Jahre alten, ihm nicht bekannten Landsmann an und forderte ihn auf, mit seinen Freunden draußen zu warten. Der 25-Jährige saß mit seiner Mutter und seinen beiden jüngeren Geschwistern in einer Vierer-Sitzgruppe zwei Reihen weiter vorn. Danach soll der Beschuldigte seinen Landsmann «mit einem feindseligen Blick» fixiert haben und mit Hammer und Axt durch das Zugabteil gelaufen sein.
Die Mutter des 25-Jährigen fürchtete einen Angriff und bat einen 29 Jahre alten Fahrgast, die Polizei zu rufen. Ihr Sohn hatte vergeblich versucht zu telefonieren - kein Handyempfang. Unvermittelt soll der Beschuldigte dann mit der Axt auf den Kopf des 29-Jährigen geschlagen haben und auf die syrische Familie zugegangen sein. Dort traf er mit der Axt zweimal den Kopf der Mutter, die sich den Ermittlungen nach schützend vor ihren ältesten Sohn stellte. Die 52-Jährige erlitt wie auch der 29-Jährige eine Schädelfraktur.
Laut den Ermittlern gelang es dem 25 Jahre alten Sohn, dem Angreifer die Axt zu entreißen und diesen damit in Notwehr zu schlagen. Der Angreifer, der ihn danach noch gewürgt haben soll, wurde ebenfalls schwer verletzt.
Beschuldigter machte «komischen Eindruck»
Gefasst, aber sichtlich mitgenommen schildert die Mutter vor Gericht, wie sich die Situation in dem Zug plötzlich zuspitzte. Nachdem der Unbekannte ihren Sohn angesprochen hatte, habe sie ihren Sohn gebeten, nicht weiter mit diesem zu sprechen. Der Mann habe ihrem Empfinden nach einen komischen Eindruck gemacht, sehr langsam gesprochen, gerötete Augen gehabt und wie unter Drogen gewirkt. Der Beschuldigte sei durch das Zugabteil gegangen, habe aus seiner Tasche Gegenstände genommen. Ihre Tochter habe dann gesagt, der Mann sei bewaffnet.