Eine «polizeibekannten Milieugröße» wird in Berlin beigesetzt. Hunderte Trauergäste reisen an. Darunter bundesweit bekannte Gesichter. Die Polizei beobachtet das Geschehen und sorgt für Ordnung.
Hunderte Gäste, Großaufgebot der Polizei: Die Beerdigung einer Clan-Größe sorgt in Berlin für viel Aufsehen. An der Sehitlik-Moschee im Stadtteil Neukölln sind zahlreiche Polizisten postiert, als die Gäste am Vormittag zum Trauergebet vorfahren. Riesige Blumengestecke, meist mit Namen der Absender versehen, werden an der Moschee präsentiert. Am Nachmittag folgt die Beisetzung auf einem Friedhof in Berlin-Westend - auch hier ist die Polizei mit einem Großaufgebot vertreten.
Die Polizei war nach eigenen Angaben über den Tag verteilt mit mehreren Hundert Beamtinnen und Beamten in Neukölln und Westend im Einsatz. «Unser Ziel, in Absprache mit allen Beteiligten, ist es, ein würdevolles und störungsfreies Gedenken zu ermöglichen», hieß es im Vorfeld auf der Onlineplattform X. Zum Endes des Einsatzes teilte die Polizei mit: «Das Gedenken verlief respektvoll und würdevoll – Störungen blieben aus.»
Der am Dienstag an einer Krankheit gestorbene 62-Jährige kam vor vielen Jahren aus der Türkei nach Berlin und bezeichnete sich selbst als Geschäftsmann. Die Polizei sprach von einer «polizeibekannten Milieugröße». Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) erklärte, der Verstorbene sei eine Clan-Größe gewesen, die in der organisierten Kriminalität bis zuletzt Einfluss genossen habe.
«Schaulaufen der Organisierten Kriminalität»
Die GdP rechnete im Vorfeld damit, dass sich wie bei vergleichbaren Todesfällen in den vergangenen Jahren Freunde und Feinde des Gestorbenen blicken lassen. «Ein Schaulaufen der Organisierten Kriminalität dieser Stadt», erklärte GdP-Sprecher Benjamin Jendro. Von der Polizei hieß es, man erwarte «polizeibekannte Besucher».
Und so zählten zu den Gästen - meist Männer - Vertreter bekannter arabischer Großfamilien, auch aus dem kriminellen Milieu. Beamte beobachteten das Geschehen rund um die Moschee in Neukölln und am Friedhof im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf nahe der Stadtautobahn.
Der Begriff Clankriminalität ist umstritten, weil er nach Ansicht von Kritikern Menschen mit Migrationshintergrund allein aufgrund ihrer Familienzugehörigkeit und Herkunft stigmatisiert und diskriminiert.
Nach Polizeiangaben nahmen etwa 1.000 Menschen am Trauergebet in der Moschee teil, rund 750 seien anschließend zum Friedhof gekommen. Die Polizei musste mehrfach den Verkehr regeln.