Ost-Ampelmännchen wird 65 – und hat kuriose Geschwister
Autor: Sebastian Fischer, dpa
, Dienstag, 13. Oktober 2026
Das Ost-Ampelmännchen zeigt sich kein bisschen altersmüde. Fans hat das Kultsymbol in ganz Deutschland und der Welt. Doch gibt es daneben noch viele schräge Verwandte zu entdecken.
Das Ost-Ampelmännchen könnte langsam an den Ruhestand denken. Immerhin feiert das leuchtende Helferlein heute seinen 65. Geburtstag. Doch der markante Hutträger lässt sich nicht so einfach aus dem Verkehr ziehen. Kaum ein Symbol aus der DDR hat mehr Fans als der kleine, etwas gedrungene Herr in Grün und Rot.
Ampelmännchen wird weltweite Kultfigur
Am 13. Oktober 1961 stellte der Verkehrspsychologe Karl Peglau seine Entwürfe neuer Leitsymbole dem Ost-Berliner DDR-Verkehrsministerium vor. Das Ost-Ampelmännchen war geboren und prägte das Stadtbild des sozialistischen Staates über Jahrzehnte. In den Nachwendejahren wurde der sympathische Herr zur Kultfigur – in Deutschland und darüber hinaus. Das eher schmalbrüstige Piktogramm-Pendant im Westen hatte bei Weitem nicht solche Beliebtheitswerte und wurde inzwischen teils vom Ost-Brüderchen ersetzt.
Doch mit der Zeit wollten sich manche Städte nicht mehr allein mit dem gesichtslosen Kollegen samt Hut zufriedengeben und brachten im Sinne des Standortmarketings eigene Entwürfe an den Start, um den Fußgängerverkehr zu regeln. In ganz Deutschland wimmelt es mittlerweile an Ampeln nur so von schier unzähligen Fernsehstars, Comicfiguren und allerlei Gestalten aus Sage und Geschichte.
Mainzelmännchen übernehmen den Takt
Sie sind die vielleicht bekanntesten Werbemaskottchen im deutschen Fernsehen: die Mainzelmännchen aus Mainz. Sie zieren seit 2016 in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt vor allem die Kreuzungen rund um den Standort des ZDF. Wenn die Männchen keine Fußgängerströme regeln, kündigen sie in dem Sender die Werbepausen an.
Wenn die Sesamstraße auf Grün schaltet
Seit Januar 2026 haben an zwei Hamburger Fußgängerampeln Ernie und Bert aus der «Sesamstraße» das Sagen. «Bei Bert bleibst du stehen, bei Ernie kannst du gehen!», so das Motto. Bert findet das aber gar nicht schlimm: «Wer bei mir stehen bleibt, hat mehr Zeit, die Tauben zu beobachten.»
Ein Wikinger ruft zur Überfahrt
Bei Grün schwingt im norddeutschen Haddeby ein Wikinger seine Axt. Seit 2025 hilft der Krieger Fußgängern nahe dem Wikingermuseum Haithabu, die dortige Bundesstraße zu überqueren – statt mit einem Langschiff aber ganz unspektakulär per pedes. Vorbild ist die dänische Stadt Aarhus, dort gibt es seit 2019 die skandinavischen Vorfahren in Grün und Rot.
Der berühmteste Ostfriese gibt grünes Licht
In Emden muss Otto nicht auf die große Bühne. Ein kleiner Auftritt an der Ampel reicht – Hauptsache, die typische Hüpfpose sitzt. Da braucht es keinen Stern auf dem Walk of Fame. Die ostfriesische Stadt schreibt trocken: Die Symbole sollen «die fußgängerischen – durchaus touristischen – Wegebeziehungen "Parkhaus, Bahnhof, Kunsthalle, Innenstadt" aufwerten.»