«Gift des Terrorismus» - Merz: Nicht einschüchtern lassen
Autor: dpa
, Sonntag, 26. Juli 2026
Am Rande des CSD in Berlin fährt ein Fahrzeug in die Menge. Eine Frau stirbt, 29 Menschen werden verletzt. Nach dem mutmaßlichen Täter wird gefahndet. Für die Regierung ist die Motivlage eindeutig.
Nach dem Angriff eines Autofahrers am Rande des Berliner Christopher Street Days (CSD) gehen die Ermittler von einem islamistischen Terroranschlag aus. Darauf deute alles hin, sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) in Berlin. Die Bundesanwaltschaft soll die Ermittlungen übernehmen, wie Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) ankündigte. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sprach vom «Gift des Terrorismus» und rief dazu auf, sich durch solche Taten nicht einschüchtern zu lassen.
Der mutmaßliche Täter ist flüchtig. Bei dem Angriff mit dem Auto sowie anschließend mit einer Stichwaffe, mutmaßlich eine Machete, wurde laut Dobrindt ein Mensch getötet, 29 wurden verletzt. Sie befanden sich laut Polizei am Nachmittag nicht mehr in Lebensgefahr.
Merz-Appell: «Lassen wir uns nicht einschüchtern»
Merz nahm am Nachmittag zusammen mit Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) und Bildungsministerin Karin Prien (CDU) an einer Andacht in der St. Marienkirche teil. In einem Statement davor sagte der Kanzler: «Diese Taten haben nur einen Zweck: Sie wollen unsere Gesellschaft spalten, sie wollen uns das Wichtigste nehmen, was wir haben, nämlich unsere Offenheit und unsere Freiheit».
Merz betonte: «Ich möchte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des CSD hier in Berlin und in ganz Deutschland zurufen: Lassen sie sich, lassen wir uns nicht einschüchtern.» Diese Straftäter und Extremisten hätten keinen Platz in der Mitte unserer Gesellschaft. «Wir sind mehr, wir sind stärker», sagte Merz.
Mutmaßlicher Täter schon in der Vergangenheit «auffällig» und verurteilt
Der mutmaßliche Täter hat sich Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden zufolge radikalisiert und gehört der islamistischen Szene an, wie Dobrindt sagte. Der Mann sei schon in der Vergangenheit «auffällig» geworden. Dobrindt sprach von einem «hohen Maß von Straftaten» und einer «islamistischen Radikalisierung» des 21-Jährigen. In der Vergangenheit sei der Beschuldigte zu einem Jahr und zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden, sagte der Innenminister. Dagegen habe die Staatsanwaltschaft Beschwerde eingelegt.
Der Tatverdächtige sei 2005 in Deutschland geboren und deutscher Staatsbürger, sagte der Innenminister. Der Mann habe einen libanesischen Hintergrund, seine Mutter sei 2002 in Deutschland eingebürgert worden.
Fahndung nach Abdul B.
Am Morgen veröffentlichte die Polizei ein Foto, mit dem sie nach dem 21 Jahre alten Abdul B. fahndet. Laut «Spiegel» soll er mit der Terrormiliz Islamischer Staat sympathisiert haben, «Süddeutsche Zeitung», NDR und WDR berichteten, er solle versucht haben, sich in Syrien dem IS anzuschließen. Laut «Welt» galt er als Gefährder und soll nach Informationen der Zeitung wegen der Vorbereitung einer terroristischen Straftat, des Versuchs der Anstiftung und Androhung verurteilt worden sein. Der «Bild» zufolge sollte Abdul B. am Montag zu einem Deradikalisierungskurs.