Himalaya-Sturzflut: Über 500 Tote, deutsche Familie gerettet
Autor: Johannes Neudecker, Carola Frentzen, Dirk Godder und Deepak Adhikari, dpa
, Freitag, 28. August 2026
Nach der Sturzflut im Himalaya steigt die Zahl der Toten. Noch immer werden rund 2.500 Menschen vermisst - aber eine deutsche Familie ist in Sicherheit. Nun droht eine weitere Gefahr in der Region.
Eine deutsche Familie wird im Katastrophengebiet im Himalaya gerettet, gleichzeitig ist die Zahl der Toten nach der verheerenden Sturzflut auf mehr als 500 Menschen gestiegen. Vermisst werden in der bei Touristen beliebten Gebirgsregion zwischen China und Nepal 1.924 Personen, darunter 517 Ausländer, wie die nepalesischen Behörden am Freitag mitteilten. Die Gefahr für Menschen und Rettungskräfte bleibt extrem hoch.
In Nepal stieg die Zahl der Toten am Freitag auf 579, viele von ihnen sind noch nicht identifiziert. Vor einem staatlichen Krankenhaus in Kathmandu hingen Fotos von Todesopfern, die Angehörigen die Identifizierung erleichtern sollten. Auf chinesischer Seite in Tibet wurden bislang 5 Tote und 558 Vermisste gemeldet. Chinas Ministerpräsident Li Qiang, den Staatschef Xi Jinping ins Krisengebiet geschickt hatte, sprach von «vielen Todesopfern», wie die Staatsnachrichtenagentur Xinhua schrieb.
Bundeskanzler Friedrich Merz übermittelte beiden Ländern sein Mitgefühl. «Unsere Gedanken sind bei den Opfern, ihren Familien und allen Menschen, die durch die Katastrophe ihr Zuhause verloren haben. Den Verletzten wünsche ich eine rasche und vollständige Genesung», schrieb Merz in einem Kondolenztelegramm an den Ministerpräsidenten von Nepal, Balendra Shah. In dem Schreiben an Chinas Staatspräsidenten Xi Jinping drückte Merz ebenfalls seine große Bestürzung angesichts des Ausmaßes des Unglücks aus.
«Wir haben die Flutwelle gesehen»
Derweil konnte eine vierköpfige deutsche Familie von der Armee in Nepal in Sicherheit gebracht werden. Sie wurde mit anderen Geretteten per Hubschrauber zu einem Armeecamp in Battar Bazar gebracht.
Seine Familie sei nach einer Trekking-Tour bei Verwandten in der Nähe des Ortes Trishuli Bazar gewesen, als die Flut sie überraschte, erzählte der Vater Manuel Münch im Camp der Deutschen Presse-Agentur. «Wir haben die Flutwelle gesehen und sind dann mit allem, was wir hatten, den Hügel hinaufgerannt», sagte der 37-Jährige der dpa. «Wenn wir unsere Trekking-Tour normal durchgeführt hätten, hätten wir an dem Tag in Syabrubesi übernachtet und wären gestorben», ist Münch überzeugt. Die Familie aus dem Berchtesgadener Land wollte so bald wie möglich in die Hauptstadt Kathmandu weiterreisen.
Münch ist mit einer Nepalesin verheiratet, und die Familie besucht das Himalaya-Land regelmäßig mit seinen Kindern. Dieses Mal wollte sie eigentlich eine kleine Trekking-Tour in Langtang machen, die sie aber vorzeitig abbrach.
Nach der Sturzflut am Mittwoch war nach mehreren Deutschen in Nepal gesucht worden. In Berlin erklärte das Auswärtige Amt, dass nach Erkenntnissen der Bundesregierung eine hohe einstellige Zahl deutscher Staatsangehöriger vermisst werde. Das Ministerium bemühe sich unter Hochdruck um Aufklärung, sagte ein Sprecher. Nach Angaben der nepalesischen Behörden von Freitag wurden in Nepal bisher 4.451 Personen gerettet, darunter 129 Ausländer.