Tücher für den Buckelwal - Rettungsaktion gestartet
Autor: Helmut Reuter, Iris Leithold und Stephanie Lettgen, dpa
, Donnerstag, 16. April 2026
Die ersten Schritte des privaten Rettungsversuchs sind getan: Taucher haben sich dem Wal genähert. Das bei Wismar gestrandete Tier lebt noch, ist aber schwer krank. Kann die Aktion gelingen?
Sechs Helfer nähern sich am Mittag im hüfttiefen Wasser dem bei Wismar gestrandeten Buckelwal. Sie spritzen zunächst mit den Händen Wasser auf das große Tier. Ehe sie sich wieder entfernen, legen sie ein Tuch auf den Wal, das allerdings nur einen kleinen Teil von ihm bedeckt - weitere Tücher werden folgen. Es sind die ersten Schritte einer privaten Rettungsaktion, die zahlreiche Menschen in Deutschland gebannt verfolgen. Am späten Nachmittag werden die Vorbereitungen nach Angaben einer Sprecherin bis Freitag unterbrochen. Man wolle dem Tier Ruhe gönnen.
Die Details der Pläne sind nicht öffentlich bekannt. Beim Verfolgen der Live-Streams aus großer Distanz bleiben manche Fragezeichen zurück, was die Helfer gerade genau dort machen. Die Behörden in Mecklenburg-Vorpommern hatten am Mittwoch eine private Rettungsmission genehmigt.
Demnach soll versucht werden, Luftkissen unter das Tier zu bringen und es schonend anzuheben. Dazu soll zuvor Schlick unter ihm weggespült werden. Der Wal soll dann auf einer Plane zwischen zwei Pontons gelagert und in die Nordsee beziehungsweise in den Atlantik transportiert werden. Ein Schlepper soll die Pontons ziehen.
Schweres Gerät eingetroffen
Das schwere Gerät für den wohl letzten Versuch zur Rettung des gestrandeten Buckelwals kommt am Mittag an. Ein Konvoi von mehreren Lastwagen bringt riesige Pontons in den kleinen, von der Polizei gesperrten Hafen von Kirchdorf auf der Insel Poel. Von dort ist der Buckelwal in der Wismarer Bucht kaum noch mit bloßem Auge zu sehen. Aber er liegt dort schon den 17. Tag, schwer krank. Der Versuch, ihn lebend zu retten, ist ein komplexes und gewagtes Unterfangen.
Ein Walexperte und zwei Tiermedizinerinnen nehmen vorsichtig Kontakt zum Wal auf und stellen nach Angaben der Sprecherin fest, dass er auf Ansprache reagiert. Sie hätten sich ein äußeres Bild vom Gesundheitszustand des Tieres gemacht. Das Blasrohr sei intakt, an ihm seien keine Entzündungszeichen erkennbar. Aufregung zeige der Meeressäuger nicht.
Private Initiative übernimmt die Verantwortung für die Aktion
Umgesetzt werden soll das Konzept von einer privaten Initiative, die für die Aktion laut Umweltministerium in Schwerin die Verantwortung trägt. Ohne diesen Versuch werde der Wal in jedem Fall sterben, hatte Mediamarkt-Gründer Walter Gunz der Deutschen Presse-Agentur dpa gesagt. «Wenn man was versucht, dann hat man zumindest die Chance, dass man ihn rettet.»
Hinter dem Konzept stehen neben Gunz die Unternehmerin Karin Walter-Mommert, die aus dem Pferdesport bekannt ist. «Wir haben keine Chance, aber wir ergreifen sie», sagte die Unternehmerin der dpa. Sie wüssten, dass der Rettungsversuch letal ausgehen könne. «Aber lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.» Dann sei das die Natur. «Aber dieser Zustand jetzt ist für ganz Deutschland, für Menschen mit Empathie und Herz, unerträglich anzusehen.»