Neue Spur zu Pilotin Amelia Earhart – Suche im Südpazifik
Autor: Carola Frentzen, dpa
, Donnerstag, 01. Oktober 2026
Fast 90 Jahre nach ihrem Verschwinden gibt es eine neue Spur zu Amelia Earhart: Vor einem Südseeatoll liegen mögliche Wrackteile im Wasser. Nun macht sich ein Team von Forschern auf den Weg.
Am 2. Juli 1937 verschwand Pilotin Amelia Earhart spurlos – mitten über dem Pazifik, in einem silbernen Doppelmotor-Flugzeug und auf dem Weg in die Geschichtsbücher. Sie war die erste Frau, die allein den Atlantik überflog, eine Ikone des Muts und der Moderne und ein Vorbild für Generationen von Pilotinnen. Ihr Versuch, als erste Frau die Erde zu umrunden, machte sie zur Legende – ihr Verschwinden zum Mythos.
Seitdem ranken sich Spekulationen um das Schicksal der damals 39-jährigen Flugpionierin: Stürzte sie ins Meer? Strandete sie auf einer Insel? Oder wurde sie gar gefangen genommen?
Jetzt wollen Forscher Klarheit schaffen: Am Samstag startet eine 17-köpfige Expedition zum winzigen Nikumaroro-Atoll im Inselstaat Kiribati, etwa auf halber Strecke zwischen Hawaii und Australien. Dort könnte sich – so hoffen die Wissenschaftler – das Wrack von Earharts Lockheed Electra 10E befinden.
«Ich bin sehr dankbar, in der Lage zu sein, vielleicht eines der größten Rätsel aller Zeiten zu lösen», sagte Expeditionsleiter Richard Pettigrew. Eigentlich war die Reise bereits im vergangenen Jahr geplant, wurde dann aber wegen logistischer Hürden und fehlender Genehmigungen verschoben.
Das Rätsel um das «Taraia-Objekt»
Ausgangspunkt der Suche ist eine auffällige Struktur auf Satellitenbildern, das sogenannte «Taraia-Objekt». Es liegt in der flachen Lagune von Nikumaroro und misst etwa zehn Meter. Das ist in etwa so lang wie der Rumpf von Earharts Flugzeug. Das Gebilde wurde nach einem Wirbelsturm 2015 erstmals auf Satellitenbildern sichtbar, nachdem Sedimente weggespült worden waren. Seither taucht es mal deutlicher, mal schwächer auf – als heller Schimmer unter dem türkisfarbenen Wasser. Der Name stammt von der Taraia-Halbinsel, die von der Nordseite der Lagune nach Südwesten ragt.
Wissenschaftler der Purdue University im US-Bundesstaat Indiana – Earharts einstiger akademischer Heimat – wollen mit einem Team der gemeinnützigen Organisation Archaeological Legacy Institute (ALI) vor Ort untersuchen, was sich wirklich unter der Oberfläche verbirgt.
Zu Beginn soll das Gebiet mit Video- und Fotoaufnahmen dokumentiert werden, bevor die Forscher den Meeresboden mit Magnetometern und Sonar erkunden. Anschließend soll das Objekt mit Hilfe einer hydraulischen Saugvorrichtung vorsichtig freigelegt werden. Auch das umliegende Ufer wird systematisch nach angeschwemmten Trümmern abgesucht. Sollte sich die Struktur als Flugzeugteil erweisen, wäre das eine der spektakulärsten archäologischen Entdeckungen der Luftfahrtgeschichte.