«Das war magisch»: Sonnenfinsternis fasziniert Millionen
Autor: Emilio Rappold und Jan-Uwe Ronneburger, dpa
, Donnerstag, 13. August 2026
Gänsehaut, Jubel und Tränen: Die Sonnenfinsternis löste beispiellose Begeisterung aus. Und anschließend durften noch jede Menge Wünsche gen Himmel geschickt werden.
Es ist, als ob jemand plötzlich das Licht ausgeknipst hätte. Hunderte Menschen, die sich gerade noch locker bei kalten Getränken und sanft dahinplätschernder Musik bei der Ebro-Sternwarte in dem Ort Roquetes im Nordosten Spaniens unterhalten haben, schauen plötzlich sprachlos auf eine schwarze Scheibe mit einem gleißenden Feuerring über dem Horizont. Der Mond hat sich vollständig vor die Sonne geschoben und die lang ersehnte totale Sonnenfinsternis ist da.
Das atemberaubende Himmelsschauspiel, das in Deutschland als partielle Sonnenfinsternis zu sehen war, schlug Millionen Menschen in Europa in ihren Bann. Überall reagierten die Menschen ähnlich. Lauter Jubel, Luftsprünge, Applaus, sogar Tränen der Rührung, aber auch andächtige Stille und Verwunderung über die «Schönheit der Welt, in der wir leben», wie es der slowakische Jesuit und Astrophysiker von der vatikanischen Sternwarte in Tucson im US-Bundesstaat Arizona im Gespräch mit dpa in Spanien ausdrückte.
Die totale Sonnenfinsternis hatte gegen 19.00 Uhr in Nordsibirien begonnen. Der Kernschatten des Mondes war dann in einem Bogen an Grönland und Island entlanggezogen und auf Spanien getroffen. In Islands Hauptstadt Reykjavík gab es dunkle Wolken und Regen während der totalen Sonnenfinsternis.
Menschen feiern Dorfplätzen, Berggipfeln und an Stränden
In Spanien feierten die Menschen vielerorts lautstark auf Dorfplätzen, Berggipfeln, Stränden, Dachterrassen und Hunderten eigens eingerichteten Beobachtungsplätzen. Auch in Deutschland, wo die Sonne immerhin bis zu 90 Prozent vom Mond verdeckt wurde, versammelten sich Millionen an geeigneten Beobachtungspunkten wie etwa am Olympiaberg im Münchner Olympiapark. Wie in Deutschland spielte auch das Wetter in Spanien mit. Nur in wenigen Regionen gab es leichte Bewölkung.
«Ich bekam eine Gänsehaut. Ich hätte nie gedacht, dass es so überwältigend sein würde. Es war wirklich eines der schönsten Erlebnisse, die ich je in meinem Leben hatte», sagte die junge Astronautin Sara García mit Tränen in den Augen dem staatlichen spanischen Fernsehsender RTVE. «Sehr kurz, aber unbeschreiblich schön», sagte eine Frau direkt nach dem Ende der totalen Sonnenfinsternis bei der Ebro-Sternwarte in Katalonien.
«Das war wirklich absolut magisch, der Wahnsinn, das zu sehen», schwärmte auch ein deutscher Urlauber auf Mallorca. «Das war ein supertolles Erlebnis», meinte ein anderer. Nur zwei Minuten lang, aber es sei den Aufwand wert gewesen, nach Mallorca zu fliegen und dann eineinhalb Stunden mit dem Auto zum Beobachtungspunkt zu fahren, «absolut geil».
Das außergewöhnliche Naturschauspiel hatte bereits vor Tagen eine beispiellose Reisewelle ausgelöst. Viele Enthusiasten reisten von weit her an, aus Japan oder den USA etwa. Wie auch die vielen Spanier zog es sie in die rund 300 Kilometer breite sogenannte Totalitätszone, die sich in Spanien von Galicien bis zu den Balearen erstreckte. Die Behörden gingen von bis zu 1,5 Millionen zusätzlichen Autofahrten wegen der Sonnenfinsternis aus. Viele von ihnen steckten auch auf dem Rückweg nachts in kilometerlangen Staus fest.