Nach dem Erdbeben: Wo das Krankenhaus selbst Hilfe braucht
Autor: Philipp Znidar, dpa
, Samstag, 15. August 2026
Während in Kolumbiens Großstadt Cali große Rettungsstrukturen arbeiten, sind kleinere Orte stärker auf Hilfe von außen und Solidarität angewiesen. Ein Krankenhaus ist selbst zum Notfall geworden.
Wo sonst Touristen durch die Straßen ziehen, ist ein ganzes Stadtzentrum zum Trümmerfeld geworden: Überall liegen Mauerteile, Dachreste und zerborstene Fassaden auf den Straßen, dazwischen stehen die Reste mehr als 100 Jahre alter Gebäude. Roldanillo, eine rund 45.000 Einwohner zählende Stadt im Südwesten Kolumbiens und international bekannt als Zentrum des Gleitschirmfliegens, ist schwer von dem Erdbeben in Kolumbien getroffen. Rund 150 Kilometer entfernt kämpft Cali, die Millionenstadt, ebenfalls mit den Folgen des Erdbebens. Doch während dort große Rettungsstrukturen mobilisiert werden können, müssen sich die kleineren Orte vielfach selbst helfen.
Ein Krankenhaus wird selbst zum Notfall
Denn selbst dort, wo normalerweise den Verletzten geholfen wird, hat das Beben tiefe Spuren hinterlassen. Rund 70 Prozent des lokalen Krankenhauses in Roldanillo sind derzeit nicht nutzbar. Das Krankenhaus versorgte normalerweise auch Menschen aus mehreren umliegenden Gemeinden.
Jetzt muss es selbst mit den verbliebenen Kapazitäten auskommen. Notaufnahme, Operationssäle und Kreißsaal sind noch nutzbar, für die stationäre Behandlung wurde das Auditorium umfunktioniert. «Es werden nur noch sehr dringende Notfälle zur stationären Behandlung aufgenommen», sagt Sprecherin Manuela Hernández Vargas der Deutschen Presse-Agentur.
Auch für das Personal ist die Situation belastend. Einige Mitarbeiter haben ihre Häuser verloren, andere fürchten nach dem Beben weitere Einstürze. «Die psychische Belastung ist im Moment sehr groß», sagt Hernández Vargas.
Zwischen Trümmern und Hilfslieferungen
Auch außerhalb des Krankenhauses ist das Ausmaß der Zerstörung enorm. Nach Angaben der Stadtverwaltung wurden in Roldanillo rund 300 Geschäfte zerstört. Mindestens 1.500 Menschen könnten dadurch ihre Arbeit verloren haben, sagt Luis Gerardo Castro Castañeda, der bei der Gemeinde für Kultur und Tourismus arbeitet.
Hilfe kommt zwar durchaus an, denn immer wieder fahren private Kolonnen mit Matratzen, Lebensmitteln und anderen Hilfsgütern in die betroffenen Orte. Doch viele dieser Lieferungen sind spontan organisiert.
Und dann? «Was braucht Roldanillo? Arbeit!», sagt er. Häuser und Geschäfte müssten wieder aufgebaut werden – doch was geschehe mit den Menschen, die bis dahin kein Einkommen haben? Genau darin sieht Castro Castañeda die größere Herausforderung.