Mutmaßlicher Block-Kidnapper: «Die Kinder haben geweint»
Autor: dpa
, Montag, 15. Juni 2026
Eine israelische Sicherheitsfirma soll die Block-Kinder im Auftrag ihrer Mutter entführt haben. Der Chef ist als Zeuge eine Schlüsselfigur in dem Prozess. Trugen die mutmaßlichen Entführer Waffen?
Im Prozess um die Entführung der Block-Kinder hat der mutmaßliche Anführer der Kidnapper die Reaktionen des Jungen und des Mädchens geschildert. «Die Kinder haben geweint, sie waren geschockt und sehr unglücklich», sagte der Zeuge aus Israel, David Barkay, bei der Fortsetzung seiner Befragung vor dem Landgericht Hamburg. «Es tat mir sehr leid für sie.» Seine Sicherheitsfirma Cyber Cupula soll laut Anklage für die Entführung der Kinder verantwortlich sein.
Der damals zehnjährige Junge und das 13-jährige Mädchen waren in der Silvesternacht 2023/24 in Dänemark in ein Auto gezerrt worden. Er habe seinem Team vor der Tat die Anweisung gegeben, «jegliche Gewalt zu minimieren», es so «menschlich» wie möglich auszuführen, betonte Barkay laut Übersetzung aus dem Englischen. Auf die Frage der Nebenklage, ob die Männer Waffen getragen hätten, antwortete der Zeuge: «Niemals.»
«Herr Hensel, ich entschuldige mich»
Gewalt gegen den Vater Stephan Hensel, der im Prozess Nebenkläger ist, sei nicht geplant gewesen. «Herr Hensel, ich entschuldige mich dafür», sagte Barkay in Richtung des 52-Jährigen. Er habe extra zwei Kampfsport-Experten mitgenommen, die den Vater nur kurz hätten festhalten sollen, ohne Gewalt. Ihm sei berichtet worden, dass ein anderes Teammitglied zugeschlagen habe - er selbst habe das aber nicht gesehen. «Mir wurde erzählt, dass sein Eingreifen ein Chaos verursacht hat.»
Der 68-Jährige hatte für seine Aussage in Deutschland sicheres Geleit bekommen. Er muss zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls mit einer Anklage und einem Prozess rechnen. Nach Aussage eines anderen Zeugen soll der Mann Berufssoldat bei den israelischen Spezialkräften und Abteilungsleiter beim Geheimdienst Mossad gewesen sein.
Mutter soll Auftrag zur Entführung gegeben haben
Der angeklagten Unternehmerin Christina Block wird vorgeworfen, der israelischen Sicherheitsfirma den Auftrag zur Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder vom Wohnort des Vaters in Dänemark erteilt zu haben. Die 53-Jährige bestreitet das. Es gibt sechs weitere Angeklagte, darunter der Lebensgefährte von Christina Block, der Ex-Sportmoderator Gerhard Delling. Der 67-Jährige betont, nichts Unrechtes getan zu haben. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
«Mandantin ist sehr angeschlagen»
Christina Block und ihr Ex-Mann Stephan Hensel haben vier gemeinsame Kinder. Die älteste Tochter (heute 20) war nach einem Streit im Sommer 2021 mit Zustimmung der Mutter zu ihrem Vater nach Dänemark gezogen. Blocks Ex-Mann hatte die beiden jüngsten Kinder nach einem Wochenendbesuch im August 2021 nicht zurück nach Hamburg gebracht. Er erhob Gewaltvorwürfe gegen die Mutter, die diese zurückweist. Zu den drei Kindern, die beim Vater in Dänemark leben, hat die Mutter keinen Kontakt.
Blocks Anwalt Ingo Bott merkte zu Beginn des 56. Prozesstages an: «Meine Mandantin ist sehr angeschlagen heute.» Sie habe am Wochenende erfahren, dass ihre inzwischen 15-jährige Tochter in Hamburg sei und mit einer Tante Kontakt hatte. Das habe sie sehr mitgenommen.