Mutmaßlicher Block-Entführer zieht Vergleich zu James Bond
Autor: Stephanie Lettgen, dpa
, Mittwoch, 08. Juli 2026
Er war Model und Fitnesstrainer, da erhielt er ein Angebot, von dem er sich geehrt fühlte: Er solle zwei Kinder der Familie Block retten, berichtet ein Zeuge. Seine Geschichte klingt wie ein Thriller.
Vom Model zum mutmaßlichen Entführer: Im Block-Prozess hat ein 35-Jähriger als Zeuge seine Version der Silvesternacht 2023/24 geschildert. «Wir waren aufgeregt und ein bisschen ängstlich», sagt der Zeuge über die Gefühle des Teams kurz vor der Aktion. Aber die Männer hätten geglaubt, die Kinder vor einem schrecklichen Vater retten zu müssen.
Der Mann hatte sich im Frühjahr von Israel aus in Interviews in Deutschland zu Wort gemeldet. Damals wurde er als Jonathan C. vorgestellt. Er habe seinen Nachnamen aber geändert, sagt der Mann auf Englisch laut Übersetzung. Er heiße nun Jonathan G.. Früher habe er als Model und Fitnesstrainer gearbeitet, doch derzeit habe er keinen Job. «Ich kann nicht arbeiten, weil all diese Artikel erschienen sind.»
Der große, schlanke Mann mit dem Bart trägt Jeans, Sakko und ein hellblaues Hemd. Er wirkt zurückhaltend, spricht sehr schnell, rauscht durch die Ereignisse - die Prozessbeteiligten haben später viele Nachfragen.
Er sei in das Team geholt worden, weil er Deutsch spreche, denn er habe elf Jahre lang in Hamburg gelebt, sagt der 35-Jährige mit Wurzeln in Schweden und Israel. Er habe bei Wohltätigkeits-Veranstaltungen mit Kindern gearbeitet. Bei der Rückholaktion habe er die Aufgabe gehabt, mit dem Mädchen und dem Jungen zu kommunizieren. Für seine Teilnahme bekam er eigenen Angaben zufolge 10.000 Euro.
Zeuge: Ich fühlte mich geehrt
Er habe im Dezember 2023 über einen Bekannten Kontakt zu dem Chef einer israelischen Sicherheitsfirma, David Barkay, bekommen. Der habe Leute für eine angeblich rechtmäßige «Operation» gesucht, um zwei Kinder der Familie Block zu retten, sagt der Zeuge. Er habe sich geehrt gefühlt, dass ihm ein «Mossad-Agent» so ein Angebot mache. «Ich wollte etwas Gutes tun.»
Er habe zugesagt, obwohl er nicht auf alle seine Fragen von Barkay Antworten bekommen habe. «Man sieht James-Bond-Filme, und dann will man Teil von so etwas sein.» Alle in der Gruppe hätten Spitznamen bekommen, die richtigen Namen habe er erst viel später erfahren. «Ich war Nils Holgersson», sagt der Zeuge. Die Männer mit Kampfsport-Erfahrung seien die «Ninjas» gewesen.
Der Mann hatte für seine Zeugenaussage sicheres Geleit bekommen. Bereits drei Männer und eine Frau aus Israel, darunter auch Barkay, hatten diese Zusage erhalten. Sie müssen zu einem späteren Zeitpunkt ebenfalls mit einer Anklage und einem Prozess rechnen.