Mutmaßlicher Block-Entführer fühlt sich ausgenutzt
Autor: dpa
, Dienstag, 30. Juni 2026
Im Block-Prozess wird ein Zeuge aus Israel weiter per Video befragt. Der 42-Jährige steuerte bei der gewaltsamen Rückholung der Kinder einen der Wagen. Wie er heute auf die Ereignisse blickt.
Ein 42-Jähriger, der bei der gewaltsamen Rückholung der Block-Kinder aus Dänemark einer der Fahrer gewesen sein soll, fühlt sich im Rückblick nach eigenen Worten ausgenutzt.
«Heute sage ich ganz klar: Der hat mich ausgenutzt», sagte der Zeuge aus Israel bei seiner Videovernehmung vor dem Landgericht Hamburg laut Übersetzung. Damit spielte der Mann auf den Chef einer israelischen Sicherheitsfirma, David Barkay (69), an, der laut Staatsanwaltschaft Drahtzieher der gewaltsamen Rückholaktion in der Silvesternacht 2023/24 war.
Barkay wiederum hatte vor Gericht beteuert, ihm sei die Rechtmäßigkeit der Aktion versichert worden. Es sei eigentlich keine Gewalt geplant gewesen. Er sei davon ausgegangen, im Sinne der Familie Block zu handeln. Christina Block sei sein Vorhaben bekannt gewesen, allerdings hätte er keine Einzelheiten preisgegeben.
Gab es einen Auftrag?
Die Hamburger Unternehmerin ist angeklagt, die israelische Sicherheitsfirma im Zuge eines langen Sorgerechtsstreits mit ihrem Ex-Mann damit beauftragt zu haben, ihre beiden jüngsten Kinder (damals 10 und 13) vom Wohnort des Vaters in Süddänemark zu entführen.
Die Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette «Block House», Eugen Block, hatte ausgesagt, die Sicherheitsfirma habe auf eigene Faust gehandelt. Ihr Lebensgefährte Gerhard Delling (67) ist wegen Beihilfe angeklagt. Der frühere Sportmoderator hat erklärt, er habe nichts Unrechtes getan. Es gibt noch fünf weitere Angeklagte, in dem Prozess, der im Juli 2025 begann. Für alle Beschuldigten in dem Fall gilt die Unschuldsvermutung.
Zeuge ist in Behandlung
Die Kinder waren beim Beobachten des Silvesterfeuerwerks in dem dänischen Ort Gråsten (Gravenstein) in einen Wagen gezerrt und nach Deutschland gebracht worden. Barkay habe dem Team gesagt, es handele sich um eine mit den Behörden abgestimmte Rettungsaktion vor dem bösen Vater, sagte der Zeuge in der Befragung per Video. Man habe ihm vertraut, keine Nachfragen gestellt. Doch am Ende sei es alles ganz anders gewesen. Der mutmaßliche Fahrer berichtete, er sei aufgrund der Geschehnisse in Behandlung.
Nach Angaben des Zeugen erfuhr er erst in Dänemark, welche Aufgabe ihm zugedacht war. Er selbst habe sich dazu vorher keine Gedanken gemacht. Für ihn sei aber klar gewesen, dass er dem Jungen und dem Mädchen nie etwas Schlimmes angetan hätte, betonte der Zeuge. Er habe selbst ein Kind. «Ich bin ein sehr guter Vater.» Er habe sich nur auf das Fahren konzentriert und sonst nichts mitbekommen.