Mutmaßliche Entführerin: Block wünschte uns viel Glück
Autor: Stephanie Lettgen und Bernhard Sprengel, dpa
, Mittwoch, 20. Mai 2026
Ihre Befragung wurde im Block-Prozess mit Spannung erwartet: Eine mutmaßliche Entführerin aus Israel, die sich in Hamburg Olga nannte, hat ihre Sicht geschildert. Tränen fließen.
Mehr als zwei Jahre nach der Entführung der Block-Kinder aus Dänemark treffen die Mutter der Kinder und «Olga», eine Schlüsselfigur der Rückholaktion, wieder aufeinander. Christina Block (53) sitzt auf der Anklagebank und kann der nur gut einen Meter entfernten Zeugin aus Israel in die Augen schauen. Die beiden hatten sich nach Aussage Blocks in dem Jahr vor der Tat angefreundet, die Frau sei so empathisch gewesen. «Wir hatten wirklich eine enge Verbindung miteinander», sagt die Zeugin.
Die 51-Jährige, die damals für eine israelische Cyber-Sicherheitsfirma arbeitete, berichtet von ihrer Rolle bei der Aktion in der Silvesternacht 2023/24 und von der Vorgeschichte. Die Frau mit glatten, angegrauten Haaren und einer Brille lächelt nervös. Auf Englisch schildert sie die Ereignisse in der Familie Block im Jahre 2023, vom Tod der Großmutter Christa Block und von deren Beerdigung, zu der die Kinder hätten nicht kommen dürfen.
«Wieder hat er Nein gesagt», sagt die Zeugin in Anspielung auf den Vater Stephan Hensel. Ihr kommen die Tränen, mit einem Taschentuch wischt sie sich über die Augen. Die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt unterbricht die Verhandlung für eine Pause.
Gewaltsame Rückholaktion
Die israelische Sicherheitsfirma soll laut Anklage die beiden jüngsten Kinder der Hamburger Unternehmerin Christina Block vom Wohnort des Vaters entführt haben, dabei sei Gewalt angewendet worden. Der damals zehn Jahre alte Junge und das 13-jährige Mädchen wurden zu einem Bauernhof in Baden-Württemberg gebracht. Von dort hatte Block nach eigenen Angaben ihren Sohn und die Tochter zu sich nach Hamburg geholt. Sie ist angeklagt, den Auftrag zur Entführung gegeben zu haben. Die Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette «Block House», Eugen Block, beteuert ihre Unschuld.
Laut Anklage war die Zeugin «die rechte Hand» des Chefs der Sicherheitsfirma. Für die Staatsanwaltschaft ist die Frau eine Beschuldigte. Für ihre Aussagen in Hamburg wurde ihr sicheres Geleit zugesagt.
Observation mit Kameras
Anfangs sei es darum gegangen, so viele Informationen wie möglich für ein Gerichtsverfahren im Sorgerechtsstreit zu sammeln, sagt die 51-Jährige. Um etwas über das Leben der Kinder zu erfahren, habe das Team im Internet ermittelt, aber auch zwei Kameras in der Nähe des Hauses in Dänemark installiert. Etwa einen Monat lang seien Live-Bilder erst in Tel Aviv und dann in Hamburg geschaut worden.
«Wir sind auch nach Dänemark gefahren, um das Haus zu observieren», sagt die Zeugin. Im zur Block-Gruppe gehörenden Luxushotel Grand Elysée wohnten die mutmaßlichen Entführer 2023 unter Aliasnamen, Ihr sei der Name «Doris White» zugewiesen worden, sagt die Israelin.