Mordprozess - Zehn Schüsse, sieben Treffer, kein Geständnis
Autor: Frank Christiansen, dpa
, Montag, 07. Sept. 2026
In Düsseldorf springen zwei Männer aus einem Auto und eröffnen das Feuer auf ein Taxi. Darin überlebt der Neffe eines berüchtigten Drogenbosses den Mordanschlag knapp. Nun hat der Prozess begonnen.
Maskierte Polizisten mit Helmen und Maschinenpistolen haben den Hochsicherheitstrakt umstellt, an den Zufahrtsstraßen ist ebenfalls Polizei aufgezogen. Als Spezialeinsatzkommandos drei Männer aus der Untersuchungshaft zum Prozessgebäude bringen, kommt es zu Verkehrsstörungen. In Düsseldorf hat der Prozess um den Mordanschlag auf den Neffen eines berüchtigten Drogenbosses unter ungewöhnlich scharfen Sicherheitsvorkehrungen begonnen.
Mit den Maßnahmen werden die Angeklagten geschützt, denn die Gegenseite soll Blutrache geschworen haben. Zum Auftakt fordern Verteidiger prompt die Ablösung des Staatsanwalts. Der habe einen der Angeklagten stundenlang im Gefängnis vernommen, ohne dessen Verteidiger Bescheid zu sagen.
Der Staatsanwalt erwidert, darum habe der Angeklagte ausdrücklich gebeten. Das Gericht will über den Antrag später entscheiden. Zudem monieren die Verteidiger, dass die verlesene Anklage nicht der ihnen vorliegenden Version entspricht. «Ist so», bestätigt der Vorsitzende Richter. Der Staatsanwalt muss die Anklage erneut verlesen.
Angeklagter beteuert Unschuld
Dann beteuert einer der drei Angeklagten, ein 39-jähriger Syrer, seine Unschuld: Er sei am Tattag in Hameln (Niedersachsen) gewesen und nicht der Mann, der auf einem Blitzer-Foto auf der Rückbank des Tatwagens zu sehen sei. Die beiden anderen Männer im Auto habe er noch nie gesehen.
Ein weiterer Verteidiger kündigt für seinen Mandanten, einen der mutmaßlichen Schützen, nach der Verhandlung eine Aussage an: Der 22-jährige Türke sei zwar am Tatort gewesen, habe aber nicht geschossen, sagt er Journalisten. Die Schüsse seien entgegen Zeugenaussagen alle aus einer Waffe abgegeben worden - und das sei nicht die seines Mandanten gewesen.
Das Gericht präsentiert Videoaufnahmen und Fotos des Tatwagens, als der mit überhöhter Geschwindigkeit durch einen Tunnel unweit des Tatorts fährt. Ein Foto zeigt drei Männer im dunklen Fahrzeug mit Hamelner Kennzeichen.
Kugelhagel am Jahresende
Zwei der drei Angeklagten wirft die Staatsanwaltschaft versuchten Mord vor, dem dritten Beihilfe dazu. Nach einem vierten Verdächtigen wird seit Montag öffentlich gefahndet.