Trauer und offene Fragen nach tödlichen Schüssen in Stade
Autor: Helen Hoffmann, Britta Körber und Leonard Fischer, dpa
, Mittwoch, 01. Juli 2026
Die tödlichen Schüsse in einer Jugendhilfeeinrichtung haben großes Leid angerichtet. Hunderte Menschen trauern und suchen Trost in der Gemeinschaft. Die Mordkommission sammelt Hinweise.
Trauer und Fassungslosigkeit vereint sie. Nach den tödlichen Schüssen auf vier Frauen und zwei Männer in einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade haben sich Hunderte Menschen in der Marktkirche Hannover versammelt. Viele weinen, immer wieder wischen sie sich Tränen aus den Augen. Die Gewalttat habe das ganze Land schockiert, sagt Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) als einer von mehreren Rednern während der Andacht.
Menschen trauern gemeinsam in vollen Kirchen
Mit Gebeten, Texten und Musik soll ein Zeichen der Verbundenheit gesetzt werden, auch für alle Beschäftigten der Jugendämter. Die Kirche ist voll. Es sind so viele Menschen gekommen, dass die Plätze nicht ausreichen. Darunter sind Familienangehörige, Freunde und Bekannte der Getöteten – und viele Arbeitskollegen. Einen ähnlichen Andrang hatte es tags zuvor in der St.-Wilhadi-Kirche in Stade gegeben. Auch dort kamen zahlreiche Menschen zusammen, um Trost und Halt zu finden.
Sechs Erwachsene wurden am Montag brutal aus dem Leben gerissen – darunter zwei Frauen und ein Mann aus dem Raum Hannover, die als Mitarbeitende des Jugendamtes der Region Hannover in der Stader Jugendhilfeeinrichtung waren. Getötet wurden zudem zwei Frauen und ein Mann, die als Beschäftigte der Stader Jugendhilfeeinrichtung vor Ort waren. Bei einem Termin sollte es um das Sorgerecht für ein Baby gehen. Der Vater des Kindes soll geschossen haben.
Polizei bittet Bevölkerung um Mithilfe
Der tatverdächtige 45-Jährige sitzt in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm sechsfachen Mord vor. Demnach schoss der Mann mit türkischer Staatsangehörigkeit während eines Gesprächstermins in der Einrichtung plötzlich mit einer mitgebrachten Schusswaffe auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Fünf der Getöteten starben am Tatort, ein weiteres Opfer im Krankenhaus.
Nach den Schüssen in der Stadt westlich von Hamburg floh der Mann in einem Auto, das eine 65-Jährige fuhr. Beamte schossen auf die Reifen des Wagens und nahmen die Insassen fest. Nach derzeitigen Erkenntnissen hat die Frau eine enge Verbindung zur Familie des Tatverdächtigen. Die Polizei befragte sie, inzwischen ist sie aus dem Gewahrsam entlassen.
Mann fiel schon vorher als aggressiv auf
Eine Mordkommission hat die Ermittlungen übernommen. Die Polizei bittet die Bevölkerung um Mithilfe. Zeugen sollen sich melden, Fotos und Videos hochladen. Derweil werden immer mehr Informationen zu dem Tatverdächtigen bekannt. So führt die Staatsanwaltschaft Hannover ein Ermittlungsverfahren gegen den Mann – wegen des Verdachts der Bedrohung.
«Der Beschuldigte soll am 22. April im Zusammenhang mit der Behandlung seiner Tochter wegen eines Schütteltraumas gegenüber Ärzten der MHH aggressiv aufgetreten sein und ihnen verbal gedroht haben», teilte ein Sprecher der Behörde zu einem Vorfall in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) mit.