Mobbing, Pornos, Gewaltvideos - Was geht ab im Klassenchat?
Autor: Irena Güttel, dpa
, Montag, 18. Mai 2026
Erwachsene sind oft in vielen Chatgruppen, die Nachrichtenflut ist zum Teil kaum zu überschauen. Kindern geht es nicht anders - mit dem Unterschied, dass die Inhalte manchmal nicht nur nerven.
Zwei Viertklässler schicken sich gegenseitig Nacktbilder - einer leitet die Aufnahmen in den Klassenchat auf WhatsApp weiter. Im Chat einer anderen Klasse schürt eine Gruppe Hass gegen einen Mitschüler. Die Lehrerin und die Eltern bekommen davon lange nichts mit.
In Klassenchats teilen Kinder und Jugendliche oft Videos, fragen nach Hausaufgaben und diskutieren Schulthemen. Es kommt auch vor, dass dort Inhalte landen, die für die Augen Minderjähriger nicht geeignet sind. Oft sind sie sogar strafbar. Dann werden sie zu einem Fall für die Polizei, wie die beiden oben genannten Beispiele.
«Uns ist die Problematik mit den Klassenchats bewusst», sagt Johannes Mayr. Er ist Präventionsexperte beim Polizeipräsidium Mittelfranken. Sein Job ist es, Kinder, Jugendliche, Eltern und Lehrkräfte über Straftaten und problematische Inhalte im Internet und den sozialen Netzwerken aufzuklären. Dafür steht er im Austausch mit Ermittlern, kennt also viele Fälle aus der Praxis.
Welche Probleme es mit dem Klassenchat gibt
«Die Fälle gehen wirklich querbeet durch alle möglichen Paragrafen», sagt er. Am häufigsten komme Streit und Mobbing vor mit Straftaten wie Beleidigungen, Drohungen und Verletzung von Bildrechten, wenn etwa Fotos der Opfer geteilt würden.
In Chats auf Kinderhandys finde man zum Teil auch pornografische Darstellungen - oder kinderpornografische bei Nacktbildern von minderjährigen Mitschülern und Freunden; Gewaltvideos von Hinrichtungen oder Attentaten und verfassungsfeindliche Zeichen wie Hakenkreuze.
Wie groß das Problem bundesweit ist, lässt sich nach Angaben der polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes nicht beziffern, da Straftaten in Zusammenhang mit Klassenchats in der Kriminalitätsstatistik nicht eigens erfasst werden. Das bayerische Landeskriminalamt spricht zudem von einer hohen Dunkelziffer von Straftaten, welche nicht zur Anzeige gebracht werden.
Eine Aussage könne man zum Alter der Verdächtigen bei der Verbreitung von Kinderpornografie über Chats, soziale Netzwerke oder Messenger treffen, sagt Sprecherin Martina Plackmann von der polizeilichen Kriminalprävention. Demnach war im vergangenen Jahr fast die Hälfte der Verdächtigen unter 18 Jahren. «Aktuell zeigt sich, dass auch besonders auf Messenger-Kanäle geachtet werden muss, da diese im Gegensatz zu Social-Media-Plattformen oft von Eltern erlaubt werden, dort inzwischen aber auch solche Inhalte kursieren», erläutert sie.