Zugunglück in Spanien gibt Rätsel auf - mindestens 24 Tote
Autor: Emilio Rappold, dpa
, Montag, 19. Januar 2026
Das moderne Hochgeschwindigkeitsnetz Spaniens steht für Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit. Es ist auch bei Touristen beliebt. Ein Bahnunglück erschüttert nun das Land - und wirft Fragen auf.
Bei einem schweren Eisenbahnunglück in Andalusien im Süden Spaniens sind mindestens 24 Menschen ums Leben gekommen. Weitere 15 seien schwer verletzt worden, sagte Regionalpräsident Juanma Moreno in den frühen Morgenstunden sichtlich mitgenommen. Er schloss nicht aus, dass in den «Trümmerhaufen aus Metall» weitere Leichen liegen könnten. Die Rettungs- und Räumungsarbeiten würden die ganze Nacht fortgesetzt.
Die Tragödie hatte sich Stunden zuvor ereignet. Gegen 19.40 Uhr war am Sonntag ein Iryo-Hochgeschwindigkeitszug der italienischen Gesellschaft Trenitalia nahe der Gemeinde Adamuz in der Provinz Córdoba mutmaßlich mit Tempo 300 entgleist und in das benachbarte Gleis geraten, wie die Bahngesellschaft Renfe mitteilte. Der tragische Zufall wollte es, dass just zu dem Zeitpunkt ein entgegenkommender Hochgeschwindigkeitszug von Renfe dort vorbeifuhr und vom anderen Fahrzeug aus den Schienen geworfen wurde.
«Schreie, weinende Kinder, Blut»
«Der Aufprall war so heftig, dass die beiden vorderen Wagen des Renfe-Zuges infolgedessen aus den Gleisen geschleudert wurden», meinte Verkehrsminister Óscar Puente. Diese Waggons stürzten eine vier Meter hohe Böschung hinunter und wurden weitgehend zerstört.
Der Iryo-Zug war mit mehr als 300 Menschen an Bord von Málaga nach Madrid unterwegs, der in Madrid gestartete Renfe-Zug fuhr mit rund 200 Passagieren nach Huelva. Der Verkehr auf der wichtigen Strecke zwischen Madrid und Andalusien sollte mindestens bis einschließlich diesen Montag unterbrochen werden. Viele Menschen, die in verschiedenen Städten von Zugausfällen aufgrund des Unfalls betroffen waren, verbrachten die Nacht in Bahnhöfen.
Eine junge Frau kämpfte im Interview des TV-Senders RTVE mit den Tränen, als sie den Alptraum beschrieb, den sie im Iryo-Unglückszug erlebte. «Es gab eine Vollbremsung, es wurde stockdunkel. Ich fiel kopfüber aus dem Sitz. Menschen und Gepäck flogen durch die Luft, es gab Schreie, weinende Kinder, Blut. Ich fühle mich, als wäre ich neu geboren.» Ein anderer Passagier, der Journalist Salvador Jiménez, sagte: «Es war wie ein Erdbeben.»
Königshaus und von der Leyen sprechen Beileid aus
Unter den Todesopfern ist den amtlichen Angaben zufolge einer der Lokführer. Zahlreiche Fahrgäste waren noch Stunden nach dem Unfall in den Zügen eingeschlossen. Feuerwehrleiter Paco Carmona sprach von einem sehr schwierigen Einsatz: «Es ist ein schwer zugängliches Gebiet. Das Ausmaß der Zerstörung war zudem groß. Chaos, offene Brüche. Alles andere als schön.»
Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez sicherte schnelle Hilfe zu. «Heute ist eine Nacht tiefen Schmerzes für unser Land», schrieb er auf der Plattform X. Neben dem Königshaus in Madrid und vielen anderen sprach auch die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, den Familien und Angehörigen der Opfer sowie dem spanischen Volk ihr Beileid aus. «In dieser Nacht seid ihr in meinen Gedanken», schrieb sie auf X auf Spanisch.