Mehr Verkehrstote – Wie steht es um die «Vision Zero»?
Autor: Jenny Tobien, dpa
, Mittwoch, 25. Februar 2026
Die Zahl der Todesopfer bei Verkehrsunfällen ist im letzten Jahr gestiegen. Woran liegt das? Wie können Straßen tatsächlich sicherer werden? Und was hat die Politik vor?
Die Zahl der Verkehrstoten ist gestiegen. Im vergangenen Jahr starben 2.814 Menschen auf Deutschlands Straßen. Das waren etwa zwei Prozent mehr als im Jahr 2024 (2.770 Todesopfer), wie das Statistische Bundesamt nach vorläufigen Ergebnissen mitteilte.
Laut den Angaben lag die Anzahl der Verletzten nahezu unverändert bei 366.000. Während es bei den Leichtverletzten einen leichten Zuwachs um ein Prozent gab, ging die Zahl der Schwerverletzten um vier Prozent auf 48.400 zurück. «Dies ist der niedrigste Wert seit 1991, dem ersten Jahr, in dem die Verletzten getrennt in schwer und leicht verletzt ausgewiesen wurden», erklärten die Statistiker.
Deutschland entfernt von der «Vision Zero»
Deutschland mache beim Thema Verkehrssicherheit aktuell Rückschritte, sagte Fani Zaneta vom TÜV-Verband. Vom Ziel der «Vision Zero», also null Verkehrstote, habe sich Deutschland 2025 weiter entfernt, erklärte Kirstin Zeidler, Leiterin der Unfallforschung beim Gesamtverband der
Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).
Er werde sich dem Alarmismus nicht anschließen, sagte Unfallforscher Siegfried Brockmann von der Björn Steiger Stiftung. «Seit Corona gebe es einen Knick bei den Verkehrstoten und wir alle erwarten, dass wir irgendwann wieder das Vor-Corona-Niveau erreichen.» 2019 habe es einen bis dahin historischen Tiefstand mit rund 3.000 Verkehrstoten gegeben, darunter sei man im letzten Jahr weiterhin gewesen. «Aber klar ist auch: Wir können mit den Zahlen absolut nicht zufrieden sein.»
Mehr Unfälle mit Verletzten oder Todesopfern
Insgesamt nahm die Polizei im letzten Jahr laut der vorläufigen Daten gut 2,5 Millionen Unfälle auf - das waren in etwa so viele wie 2024 (minus 0,2 Prozent). Bei 2,2 Millionen Unfällen blieb es demnach bei Sachschäden, was ebenfalls einem minimalen Rückgang entspricht (minus 0,3 Prozent). Die Zahl der Unfälle, bei denen Menschen verletzt oder getötet wurden, stieg dagegen um ein Prozent auf gut 293.000.
Detaillierte Angaben liegen derzeit nur zu den Monaten Januar bis November 2025 vor. «Diese zeigen, dass bei fast allen Verkehrsbeteiligungsarten mehr Menschen getötet wurden als im Vorjahreszeitraum», erklärte das Bundesamt.
Bei welchen Verkehrsteilnehmern gab es besonders viele Tote?
- Bei den Autofahrern und Mitfahrern stieg die Zahl der Todesopfer in den elf Monaten um vier Prozent auf insgesamt 1.082 Todesopfer.
- Auch bei Fahrradfahrern gab es einen Anstieg von vier Prozent (18 Getötete) auf 441 Todesopfer.
- Unter den Fußgängerinnen und Fußgängern gab es ein Plus von vier Getöteten (plus ein Prozent) auf insgesamt 355 Tote.
- Den prozentual höchsten Anstieg gab es bei den Krafträdern mit Versicherungskennzeichen (also etwa Kleinkrafträder, Mofas, E-Bikes). Dort stieg die Zahl der Verkehrstoten um 28 Prozent auf 50 Tote.
- Mit E-Scootern starben 30 Menschen (plus 25 Prozent).
- Die Zahl der getöteten Menschen in Güterkraftfahrzeugen stieg um sieben Prozent zwischen Januar und November 2025.
- Zurückgegangen sind dagegen die Zahlen etwa bei Leichtkrafträdern, Motorrollern und Motorrädern - und zwar um acht Prozent auf 464 Tote.