Rettungskräfte im Himalaya kämpfen gegen Schlamm und Zeit
Autor: dpa
, Donnerstag, 27. August 2026
Eine braune Wand aus Wasser und Geröll fegt durch plötzlich durch Himalaya-Täler. Mehr als 1.300 Menschen werden vermisst, darunter auch etliche Deutsche. Was löste die gewaltige Sturzflut aus?
Erst langsam wird nach der verheerenden Sturzflut im Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet das Ausmaß der Katastrophe klar. Mindestens 389 Menschen sind allein auf nepalesischer Seite ums Leben gekommen, mehr als 1.300 Menschen werden insgesamt vermisst - darunter zahlreiche Ausländer. Wo sonst Pilger und Trekking-Touristen durch die Täler des Himalayas ziehen, suchen Rettungskräfte unermüdlich in gewaltigen Schlammmassen nach Überlebenden.
Nach Angaben der nepalesischen Tourismusbehörde werden auch acht deutsche Staatsangehörige vermisst. Eine vermisste Person aus der Schweiz wurde laut der Behörde mittlerweile gerettet. Viele der bisher geborgenen Todesopfer wurden nach Angaben der nepalesischen Polizei kilometerweit flussabwärts bis an die Grenze zu Indien getrieben. Häufig seien nur Leichenteile geborgen worden, sagte ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur. Die Behörden rechnen damit, dass die Opferzahl weiter steigen könnte.
Was war passiert?
Am Mittwoch hatte eine Sturzflut in Sekundenschnelle Brücken fortgerissen, Straßen verschüttet und Häuser beschädigt. Dramatische Videoaufnahmen zeigten, wie eine riesige braune Wand aus Wasser, Geröll und Schlamm auf Häuser zu fegt, während Menschen panisch versuchen, sich in Sicherheit zu bringen.
Allein auf chinesischer Seite in Tibet werden nach Angaben chinesischer Staatsmedien mehr als 550 Menschen vermisst, darunter rund 260 Ausländer. Die Rettungsarbeiten werden durch Schlammmassen erschwert. Straßen sind für schweres Gerät unpassierbar, zudem brachen in Teilen der Region die Kommunikationsverbindungen zusammen.
Hunderte Überlebende ausgeflogen
Viele Orte sind weiterhin nur schwer zu erreichen. Tausende Einsatzkräfte versuchen unter schwierigsten Bedingungen, mögliche Überlebende zu orten. Die nepalesische Armee hat derweil nach eigenen Angaben bereits Hunderte Menschen aus dem Katastrophengebiet ausgeflogen, darunter Dutzende Ausländer.
Nach Angaben von Nepals Premierminister Balen Shah wurde mehr als 13.000 Kräfte aus Armee und Polizei für die Rettungsmaßnahmen mobilisiert. 573 Menschen hätten am Donnerstag mit insgesamt 69 Hilfsflügen gerettet werden können, teilte Shah bei Facebook mit.
Besonders viele Vermisste kommen aus Indien. Das indische Außenministerium sprach von mindestens 288 Staatsangehörigen, zu denen es keinen Kontakt mehr gebe. Viele von ihnen waren Pilger auf dem Weg zum heiligen Berg Kailash und zum Manasarovar-See in Tibet. Die Himalaya-Region ist ein bedeutendes Trekking- und Pilgergebiet.