Høiby bleibt in U-Haft – trotz Sorge um Mutter Mette-Marit
Autor: dpa
, Mittwoch, 10. Juni 2026
Wegen seiner schwer kranken Mutter wollte Marius Borg Høiby aus der U-Haft freikommen. Ein Berufungsgericht verhinderte das. Der Grund: Der Sohn der Kronprinzessin könnte neue Straftaten begehen.
Trotz der Sorge um seine schwer kranke Mutter kommt der Sohn von Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit nicht aus der Untersuchungshaft frei. Ein Berufungsgericht wies den Antrag von Marius Borg Høiby ab und begründete das mit der Wiederholungsgefahr: Nach Einschätzung des Gerichts besteht weiterhin «eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass Høiby im Falle seiner Freilassung neue Straftaten begehen wird». Dabei beziehen sich die Richter vor allem auf ein Kontaktverbot gegenüber einer Ex-Freundin, gegen das der 29-Jährige in der Vergangenheit bereits mehrfach verstieß.
Der Sohn der Kronprinzessin hatte die Freilassung beantragt, um bei seiner lebensbedrohlich kranken Mutter sein zu können. Mette-Marits Zustand hatte sich in den vergangenen Monaten deutlich verschlechtert - sie braucht eine neue Lunge. Ein Gericht in Oslo hatte Høibys Antrag am Montag in erster Instanz stattgegeben. Die Staatsanwaltschaft hatte dagegen umgehend Berufung eingelegt - mit aufschiebender Wirkung.
Berufungsgericht: Keine Extra-Behandlung für Høiby in U-Haft
Der Norweger hatte vor Gericht beteuert, drogenfrei zu sein - und dass er wegen der Krankheit seiner Mutter jetzt «niemals etwas tun würde, dass die Situation verschlimmert». Das Berufungsgericht nahm ihm das nicht ab.
«Høiby war sich der Konsequenzen eines Verstoßes gegen das Kontaktverbot stets bewusst, ohne dass ihn das davon abgehalten hätte», hieß es in der Entscheidung. «Er muss auch verstanden haben, dass er seine Familie mit den Straftaten, seinem umfassenden Drogenkonsum und nicht zuletzt der dadurch entstandenen großen medialen Aufmerksamkeit belastet hat. Trotzdem hat er weitere Straftaten begangen.» Die Krankheit seiner Mutter senkt dieses Risiko nach Einschätzung des Gerichts nicht.
Zwar hätten die Richter Mitleid mit Høibys Situation und verstünden, dass die U-Haft hart für ihn sei. Aber: «Das Berufungsgericht kann nicht sehen, dass die Belastungen der Untersuchungshaft für Høiby anders sind als für andere Inhaftierte mit schwer kranken Eltern», hieß es in der Begründung.
Nach der Entscheidung des Berufungsgerichts hätte Høiby nun noch vor den Obersten Gerichtshof ziehen können - entschied sich aber laut seiner Verteidiger dagegen. «Wir sind sehr, sehr enttäuscht und verstehen den Beschluss nicht», sagte Anwältin Ellen Holager Andenæs dem Sender NRK.
Urteil gegen Høiby für kommenden Montag erwartet
Ein Grund für die Entscheidung des Berufungsgerichts: die Zeit, die Høiby voraussichtlich noch in U-Haft verbringen wird. Denn schon am kommenden Montag wird das Urteil im Mammutprozess gegen Høiby verkündet. Der älteste Sohn der Kronprinzessin ist in 40 Punkten angeklagt. Unter anderem soll er vier Frauen nach norwegischem Recht vergewaltigt haben, während diese schliefen. Die Staatsanwaltschaft hatte sieben Jahre und sieben Monate Haft gefordert.