Löwenfreundschaft: Der Deutsche und das Raubtier
Autor: Kristin Palitza, dpa
, Freitag, 11. Sept. 2026
Valentin Grüner rettet ein Löwenbaby in der Kalahari. Daraus wächst eine ungewöhnliche Beziehung zwischen Mann und wildem Tier. Sie bewegt Millionen Menschen online.
Valentin Grüner schiebt den Riegel zurück und öffnet eine hoch umzäunte Gittertür. Er kann gerade noch einen Schritt zurücktreten, da schießt eine ausgewachsene Löwin auf ihn zu und reißt ihn zu Boden. Doch schnell wird klar: Es handelt sich nicht um einen Angriff, sondern um einen «Liebesbeweis». Die 180-Kilogramm schwere Raubkatze reibt ihren Kopf gegen den von Grüner. Ihre Vorderpfoten legen sich um seinen Hals, die Tatzen fast so groß wie sein Kopf.
Diese ungewöhnliche Begegnung zwischen dem 39-jährigen Deutschen und der Löwin Sirga sind auf Videos in sozialen Medien zu sehen. Weltweit verfolgen Follower auf Instagram und TikTok die Freundschaft zwischen dem Mann und dem wilden Tier.
In den Clips sieht man Grüner barfuß, in Shorts und T-Shirt, mit Sirga durch die Kalahari in Botsuana streifen. Mal rauft er sich mit ihr auf dem staubigen Boden oder krault ihr den mächtigen Hals. Mal geht er mit Sirga auf die Pirsch. Oder sie liegen unter einem Dornbusch im Schatten.
Wie es zur Löwenfreundschaft kam
Sirga ist keine domestizierte Löwin - sie lebt in der Wildnis, wurde aber von Grüner aufgezogen und betrachtet ihn, wie er erzählt, als Teil ihres Rudels. Er habe vor 14 Jahren ein von seiner Mutter verstoßenes Löwenbaby gefunden. Damals habe er auf einer privaten Wildtierfarm in Botsuana im südlichen Afrika gearbeitet, sagt Grüner. Der Welpe sei nur zwei Wochen alt gewesen und habe fast regungslos unter einem Busch gelegen. Grüner habe beschlossen, das Löwenbaby zu retten und taufte es Sirga.
Obwohl er die Löwin von Hand aufzog, stand für Grüner von Anfang an fest: Er wollte Sirga nicht zähmen, sondern ihr ein möglichst wildes Leben ermöglichen. «Ich habe sie nie trainiert oder ihr irgendwas beigebracht», erzählt Grüner.
Vom Bodensee nach Afrika
Schon von klein auf hatte Grüner den Traum, Naturschützer in Afrika zu sein. Mit 21 Jahren war es dann so weit: Grüner flog nach Namibia, um für eine Tierauffangstation zu arbeiten. Ein Jahr später zog es ihn ins benachbarte Botsuana, das ihn aufgrund seiner großen Naturschutzgebiete interessierte. Er ließ sich zum Wildtier-Ranger und Safari-Guide ausbilden.
Nachdem Grüner das Löwenjunge aufgepäppelt hatte, sei er täglich mit ihr in der Savanne spazieren gegangen. Sirga sei ihm hinterher getappt wie einer Löwenmutter, sagt Grüner. Das Jagen habe sie sich instinktiv selbst beigebracht, mit 16 Monaten zum ersten Mal eine Antilope gerissen. Da die Löwin nicht komplett ausgewildert ist, bekommt sie aber mitunter auch von Grüner ein Stück Fleisch, wie er erzählt.