Letzte Hilfe - Am Ende wissen, wie es geht
Autor: Birgit Reichert, dpa
, Sonntag, 04. Oktober 2026
Erste-Hilfe-Kurse kennt jeder. Aber Letzte-Hilfe-Kurse? Sie geben Antworten, die Angehörige stärken und Mut machen, Sterbende zu begleiten. Was man lernt?
Wenn ein Mensch stirbt, zieht er sich mitunter immer mehr zurück. Er lehnt Besuche ab, verliert das Interesse an Essen und Trinken und schläft immer mehr. Manchmal will er nicht mehr berührt werden, und Angehörige fragen sich: Wie soll ich mit der Situation umgehen? «Man muss akzeptieren, wenn schon Handhalten nicht mehr gewünscht wird und man merkt, dass die Hand vielleicht zurückgezogen wird», sagt Ingrid Stork als Leitende in einem «Letzte-Hilfe-Kurs» in Trier.
Sie schildert, wie sich der Atem bei Sterbenden verändert. Und wie belastend Atemaussetzer für Angehörige sind. Der Sterbeprozess sei bei jedem anders, aber: «Der letzte Sinn des Menschen, der geht, ist das Gehör. Und deshalb der Hinweis: Man sollte sich immer gut überlegen, welche Gespräche man am Bett eines sterbenden Menschen führt», sagt Annika Robling, Gesundheits- und Krankenpflegerin im Hospiz Trier, die den Kurs mit Stork leitet.
«Einen Menschen am Lebensende eng zu begleiten, kann Herausforderungen mit sich bringen», sagt Stork. Der Kurs wolle «Menschen ermutigen, an der Seite der Sterbenden zu bleiben, statt sich, oftmals aus Angst vor dem, was kommen könnte, abzuwenden».
Die Teilnehmerinnen im Kurs sind gekommen, weil sie mehr über Tod und Sterben wissen wollen. «Meine Mutter ist im Januar gestorben und im Moment begleite ich meinen Freund, der schwer krank ist», sagt Rita. Sie suche Austausch, wolle Tipps und Hinweise von erfahrenen Menschen bekommen.
«Jeder kennt Erste-Hilfe-Kurse»
Lisa erzählt, ihr Mann sei an Alzheimer-Demenz erkrankt. «Das ist noch am Anfang, aber ich denke, er ist endlich dieser Prozess. Und ich glaube, es ist gut, wenn ich mich auch ein bisschen vorbereite.» Und Renate sagt, sie habe schon mehrere Menschen bis zum Tod begleitet. «Manchmal bin ich ratlos, wie man eine Situation vielleicht besser anpackt.»
Sie fühle sich alleingelassen, wenn man mit keinem wirklich darüber reden könne. Der Kurs schließt genau diese Lücke: «Wir wollen die Scheu nehmen, dass sich Menschen mit dem Thema beschäftigen», sagt Robling. Und dazu beitragen, dass sich Menschen besser vorbereitet fühlen.
«Jeder kennt Erste-Hilfe-Kurse.» Aber Letzte-Hilfe-Kurse? «Sterben ist immer mehr zum Tabu-Thema geworden. Dabei sterben wir alle. 100 Prozent.» Das Wissen, wie man Menschen begleite, sei verloren gegangen. «Früher ist in den Familien gestorben worden», sagt Robling.