Kunde nach Millionen-Coup: «Fühle mich wie betäubt»
Autor: Rolf Schraa und Marc Herwig, dpa
, Mittwoch, 14. Januar 2026
Deprimiert, «wie betäubt nach einer Spritze», fühlt sich ein Opfer des Gelsenkirchener Einbruchs in eine Bank-Filiale. Der Mann will klagen - zusammen mit rund 200 anderen Geschädigten.
40 Jahre lang hat Faqir Malyar schwere Teppiche geschleppt. Jetzt tut dem 67 Jahre alten Teppichhändler aus Gelsenkirchen immer öfter die rechte Schulter weh. Ein bis zwei Jahre wollte er noch machen und dann zusammen mit seiner Frau den Ruhestand genießen. Daraus wird nun nichts. Seit dem spektakulären Sparkassen-Einbruch Ende Dezember sind seine Ersparnisse weg.
Rund 85.000 Euro aus einer Erbschaft und einer Lebensversicherung hatte der gebürtige Afghane nach eigenen Worten zuletzt in seinem Bankschließfach bei der Gelsenkirchener Sparkasse, das er zusammen mit seinem Bruder seit über 15 Jahren gemietet hat. Ein Konto war für ihn keine Alternative: «Wenn Sie in der Heimat Teppiche einkaufen, brauchen Sie Bargeld.» Hinzu kommt Schmuck für über 20.000 Euro - Geschenke von der Hochzeit mit seiner zweiten Frau 2012.
Erster Schock bei der Einbruchs-Nachricht
Seinen ersten Schockmoment erlebt Malyar, als er auf dem Weg zu einem Kunden im Radio von dem Sparkassen-Einbruch in Gelsenkirchen hört. Sein Teppichladen ist direkt neben der Sparkasse, zurück von seinem Kundentermin sieht er die aufgeregten Menschen vor der Filiale. Später hört er, dass 95 Prozent der Schließfächer ausgeräumt sein sollen - und hofft, dass er vielleicht gegen alle Wahrscheinlichkeit doch nicht dabei ist.
Die Sparkasse öffnet eine Info-Hotline, Malyar ruft an. Nach einer Dreiviertelstunde kommt er durch. Er wird nach seiner Schließfachnummer gefragt - es ist die 1413 - und der Bankmitarbeiter eröffnet ihm, dass auch sein Fach ausgeräumt sei.
«Ich konnte nicht atmen»
«Ich konnte im ersten Moment nicht atmen», schildert der 67-Jährige, «ich war wie betäubt nach einer Spritze». Er habe doch immer penibel Buch geführt über Ein- und Auszahlungen im Schließfach, erzählt er. «Bei der Bank ist alles sicher, dachte ich», sagt er.
Nun ist alles weg, und die Sparkasse verweist darauf, dass sie nur bis maximal 10.300 Euro für Schließfachschäden hafte. «Das hat mir in all den Jahren niemand gesagt», kritisiert Malyar. «Sonst hätte ich 100-prozentig eine Zusatzversicherung abgeschlossen.» Er will sein ganzes Geld zurück und hat einen Anwalt eingeschaltet - den Marler Strafrechtler Burkhard Benecken.
Anwälte bringen sich in Stellung - bereit zu «Deal»
Benecken hat in den vergangenen zwei Wochen bereits über 100 Mandanten gesammelt. Ein Kollege, der Dattelner Anwalt Daniel Kuhlmann, sagt, dass er schon Mandanten-Vollmachten von etwa 150 Geschädigten habe.