«Tragisch»: Bestürzung nach Sterbehilfe für junge Spanierin
Autor: Emilio Rappold, dpa
, Freitag, 27. März 2026
In Deutschland ist aktive Sterbehilfe verboten. In Spanien ist sie seit 2021 erlaubt. Ein besonderer Fall erhitzt dort aber die Gemüter und spaltet das Land. Auch aus Deutschland kommt Kritik.
Der Tod einer jungen Frau durch aktive Sterbehilfe hat in Spanien tiefe Bestürzung und Empörung ausgelöst - und das Land regelrecht gespalten. Im Parlament in Madrid kam es sogar zu turbulenten Szenen und einem heftigen verbalen Schlagabtausch. Der Rechtspopulist Carlos Flores sprach von einer «Hinrichtung» und beschimpfte die Angehörigen der linksgerichteten Regierung als «Mörder». Viel sachlicher, wenn auch oft emotional, ging es bei den noch am Freitag anhaltenden Diskussionen zu - in Cafés, Büros und Supermärkten.
Noelia Castillo erhielt am Donnerstagabend in einem Krankenhaus in Sant Pere de Ribes bei Barcelona gegen den Willen ihrer Eltern eine tödliche Spritze, die ihr Leben sofort beendete. Die 25-Jährige hatte eine Querschnittlähmung, die auf einen Suizidversuch nach sexuellen Übergriffen im Jahr 2022 zurückging.
Ihr junges Alter und auch die Tatsache, dass - anders als bei typischen Sterbehilfe-Fällen - ein psychisches Leiden nach schwerem Trauma eine zentrale Rolle spielte, löste in Spanien scharfe Kritik unter anderem von konservativen Politikern, Medien und der katholischen Kirche aus.
«Ich bereue es nicht.»
«Ich kann nicht mehr mit all dem, was mich in meinem Kopf quält, was ich erlebt habe», hatte Castillo am Mittwoch in einem Interview des Fernsehsenders «Antena 3» gesagt. Sie wolle «endlich gehen, aufhören zu leiden» und sich «endlich ausruhen», sagte sie mit leiser, aber fester, sicherer Stimme. Ärzte hätten ihr gesagt, sie werde vielleicht irgendwann wieder laufen können - sie habe sich jedoch dagegen entschieden. «Und ich bereue es nicht.»
Wenige Stunden vor dem Vollzug hatte die Spanische Bischofskonferenz (CEE) bedauert, dass «in Spanien der Tod als Lösung für Leid dargestellt wird». Auf der Plattform X sprach die Bischofskonferenz von einer «Wohlstandsgesellschaft», die «unfähig ist, zu pflegen und zu lieben».
Auch Kritik und Warnung aus Deutschland
Als «absolutes Drama» bezeichnete die sichtlich bewegte Sprecherin der konservativen Volkspartei PP von Oppositionsführer Alberto Núñez Feijóo, Ester Muñoz, vor Journalisten den Fall. Der Staat habe versagt. Der Fall müsse die Gesellschaft dazu bringen, viele Dinge zu überdenken, forderte sie.
Kritik gab es auch aus Deutschland. «Ohne Zweifel ist das Schicksal von Noelia Castillo tragisch», sagte Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.