Kolumbien im Wandel des Drogenhandels
Autor: Philipp Znidar und Fabián Yáñez, dpa
, Freitag, 01. Dezember 2023
Vor 30 Jahren ist Kolumbiens berüchtigtster Drogenboss gestorben. Nach seinem Tod hat sich die Unterwelt verändert. Der Kokainhandel ist unsichtbarer geworden - und blüht wie nie zuvor.
Er revolutionierte den internationalen Drogenhandel, verdiente Milliarden mit dem Schmuggel von Kokain in die USA und soll für den Tod Tausender Menschen verantwortlich sein: Pablo Emilio Escobar Gaviria. Am 2. Dezember 1993 ist der mächtige Chef des Medellín-Kartells auf der Flucht vor der Polizei erschossen worden. Seitdem hat sich vieles verändert in der kolumbianischen Unterwelt.
«Es gibt keine großen, sichtbaren und mächtigen Drogenkartelle mehr, die von oben kommandiert werden und deren Anführer bekannt sind», sagt der pensionierte Direktor der kolumbianischen Nationalpolizei Óscar Naranjo der Deutschen Presse-Agentur. Der 66-Jährige leitete den Fahndungsblock der Behörden, der Escobar aufspürte und tötete.
«Die Kriminellen haben gelernt, dass es gefährlich ist, sich zu zeigen», erklärt Naranjo, der auch Vizepräsident von Kolumbien war. «Und heute gibt es eine kriminelle Zersplitterung, die in kleinen Gruppen arbeitet, und diejenigen, die im großen Stil profitieren, sind unsichtbar.»
Vom Schulabbrecher zum kriminellen Großunternehmer
Escobar stammte aus bescheidenen Verhältnissen. Er brach die Schule ab, weil seine Familie nicht für seine Ausbildung aufkommen konnte, und verdingte sich als Kleinkrimineller. In den 1970er-Jahren stieg er in den Kokainhandel ein und gründete das Medellín-Kartell.
Von der Millionenstadt aus baute er ein riesiges Kokain-Imperium auf. Während der Blütezeit in den 1980er- und frühen 1990er-Jahren kontrollierte Escobar fast die gesamte Kokain-Lieferkette: Er schaffte Lieferungen aus Peru und Bolivien nach Kolumbien, lagerte sie und koordinierte dann den Transport der Droge mit Flugzeugen in die USA. Schätzungsweise 15 Tonnen pro Tag wurden verschickt.
Auf dem Höhepunkt seiner Macht soll der auch als «El Patrón» bekannte Escobar über ein Vermögen von mehr als fünf Milliarden Dollar verfügt haben. Mit seinem Reichtum prahlte er gerne, hatte eine mehrere Tausend Mann starke Privatarmee, eine Flugzeugflotte und prunkvolle Villen in Miami und Kolumbien.
Sein Geschäft verteidigte er mit brutaler Härte. Bis zu 6000 Menschen sollen seine Sicarios - Auftragskiller aus den Elendsvierteln von Medellín - getötet haben. Nachdem er dem kolumbianischen Staat den Krieg erklärt hatte, wurde er 1993 nach einer Verfolgungsjagd auf den Dächern über Medellín erschossen. Mitglieder der Polizei-Spezialeinheit posierten mit der blutüberströmten Leiche.