König Harald - Ein warmherziger Monarch ohne Allüren
Autor: Steffen Trumpf, Miriam Arndts und Julia Wäschenbach, dpa
, Freitag, 28. August 2026
Harald V. zählte nicht zu den schillernden Persönlichkeiten der europäischen Königshäuser. Er galt als bescheidener Monarch, der nur einen guten Job machen wollte. Und dabei nie seinen Humor verlor.
Norwegens König Harald V. war keiner, der gern große Reden schwang. Sondern ein eher schüchterner Mensch, der es nicht mochte, wenn viel Getöse um ihn gemacht wurde. Zum Volk zu sprechen, sah er nie als seine Stärke an. Trotzdem gelang es ihm immer wieder, in den entscheidenden Momenten die richtigen Worte zu finden. Ungeachtet mehrerer Skandale rund um die Königsfamilie - vor allem um das Kronprinzenpaar - war Haralds Beliebtheit bei seinen Landsleuten ungebrochen. Zuletzt kämpfte er immer wieder mit Krankheiten. Am Freitagmorgen ist der Monarch im Alter von 89 Jahren in Oslo gestorben.
«Norweger sind Mädchen, die Mädchen lieben, und Jungen, die Jungen lieben. Norweger glauben an Gott, Allah, an alles und nichts.» Als König Harald diese Worte anlässlich seines 25. Thronjubiläums 2016 an sein Volk richtete, ahnte er nicht, was er damit auslöste. Ein Echo der Begeisterung schallte ihm entgegen. Zeitungen in der ganzen Welt druckten seine ungewöhnliche Rede.
Der König war von den Reaktionen völlig überrascht. «Ich wollte doch nur beschreiben, wie wir sind», sagte er einige Jahre später dem «Aftenposten»-Journalisten Harald Stanghelle, der seine elf langen Gespräche mit dem König in dem Buch «Kongen forteller» («Der König erzählt») veröffentlichte.
Harald war ein König, der mit der Zeit ging und sich seit seiner Thronübernahme 1991 stets weiterentwickelte. Auch wenn das nicht heißen muss, dass er ein moderner König war: So weigerte er sich lange, sich ein Handy anzuschaffen. Erst 2020, als das Coronavirus die Welt zum Stillstand zwang, sagte er Ja zu seinem ersten Mobiltelefon - mit 83 Jahren.
«Großvater» Roosevelt
Harald war ein Mensch, der stets versuchte, alle einzubinden. Das liegt vielleicht an seiner eigenen Geschichte. Denn in den ersten Jahren seiner Kindheit war er selbst ein Flüchtling. Prinz Harald war drei Jahre alt, als die Nazis im April 1940 in Norwegen einmarschierten. Überhastet flüchtete seine Mutter, Kronprinzessin Märtha, mit den beiden Töchtern und dem Sohn Harald nach Schweden und später in die USA.
Der damalige US-Präsident Franklin D. Roosevelt engagierte sich persönlich für die Familie und lud sie oft ins Weiße Haus ein. «Für mich war Roosevelt eine Art Großvater», erzählte Harald später. In den USA bekam er sein erstes Dreirad. «Hier lernte er schwimmen, hier lief er mit den Wachen um die Wette», schreibt Journalist Stanghelle.
Als er nach dem Krieg zurückkehrte, war Harald acht Jahre alt. Norwegen war ihm fremd geworden. Doch es dauerte nicht lange, bis der Thronerbe sich wieder heimisch fühlte. Harald war naturverbunden und sportbegeistert. Seine besondere Leidenschaft war das Segeln, das er sogar auf olympischem Niveau betrieb.