Berichte: Mutter der in Portugal verlassenen Kinder gefasst
Autor: Emilio Rappold, dpa
, Donnerstag, 21. Mai 2026
Weinend liefen sie in Portugal über eine staubige Straße und riefen um Hilfe. Was zwei französische Kleinkinder später erzählen, lässt erschaudern. Nun gibt es zwei Festnahmen.
Nach der mutmaßlichen Aussetzung von zwei französischen Kleinkindern in Portugal sind die Mutter und der Stiefvater Medienberichten zufolge festgenommen worden. Einem Passanten seien die beiden auf der Terrasse eines Cafés in dem bekannten Wallfahrtsort Fátima in Zentralportugal aufgefallen, berichtete der staatliche portugiesische TV-Sender RTP unter Berufung auf eine Mitteilung der Nationalgarde der Republik (GNR).
Der Mann habe die Polizei alarmiert. Beamte der in ländlichen Gebieten zuständigen GNR hätten die beiden Franzosen, eine 41-Jährige und einen 55-Jährigen, mit zur Wache genommen. Dort würden sie verhört, berichtete RTP unter Berufung auf eine Mitteilung der GNR. Auch die portugiesische Zeitung «Correio da Manha» berichtete entsprechend. Wann sie eventuell einem Haftrichter vorgeführt werden sollten, war zunächst unbekannt.
Die beiden stünden «im Verdacht, Straftaten im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt sowie Aussetzung und Vernachlässigung begangen zu haben», zitierte RTP aus der Mitteilung der Nationalgarde. Die Festnahmen stünden im Zusammenhang mit den zwei kleinen Kindern, die allein an einer Straße in der Gemeinde Alcácer do Sal gefunden wurden, habe die GNR bestätigt.
Kinder wurden allein an abgelegener Landstraße gefunden
Die beiden Brüder im Alter von drei und fünf Jahren waren weinend und allein an einer abgelegenen Landstraße nahe Alcácer do Sal rund 60 Kilometer südöstlich von Lissabon gefunden worden. Nach Angaben portugiesischer Medien sollen sie erst wenige Tage zuvor gemeinsam mit Mutter und Stiefvater eingereist sein.
Die portugiesische Kriminalpolizei teilte mit, man sei «wegen des Verdachts der Aussetzung» von der Staatsanwaltschaft mit den Ermittlungen beauftragt worden. Die französischen Behörden hätten bereits eine Fahndung nach den Minderjährigen und ihrer Mutter eingeleitet, nachdem der leibliche Vater ihr Verschwinden aus der Wohnung im elsässischen Colmar gemeldet habe, hieß es.
Die GNR verfüge über Aufnahmen des Wagens beim Grenzübertritt am 11. Mai, berichtete «Correio da Manhã» unter Berufung auf die Behörden. Ein Sprecher der Polizei sagte der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage, die Informationen des Blattes seien «nicht falsch». Zum Schutz der Kinder könne man aber keine weiteren Angaben machen.
Ein Autofahrer hatte die beiden Jungen am Dienstagabend am Seitenstreifen der abgelegenen, wenig befahrenen Nationalstraße 253 nahe der Ortschaft Monte Novo do Sul entdeckt. Portugiesische Medien veröffentlichten Bilder der beiden blonden Kinder. Ausweise hatten sie nicht bei sich. Laut Medien erzählten sie Beamten der Nationalgarde, ihre Mutter und ihr Stiefvater hätten sie mit verbundenen Augen im Wald allein gelassen. Als sie die Augenbinden abgenommen hätten, seien die Eltern bereits weg gewesen.