Kinderarzt spricht in Missbrauchsprozess von großer Schuld
Autor: Monika Wendel, dpa
, Montag, 02. November 2026
Ein Kinderarzt soll über Jahre Patienten in Kliniken und Kitas missbraucht haben. Vor dem Landgericht Potsdam räumt er die Taten ein. Die Vorwürfe werfen Fragen zu Schutzmechanismus in Kliniken auf.
Ein wegen Missbrauchs angeklagter Kinderarzt aus Brandenburg soll Sexualstraftaten über Jahre hinweg vor allem in Patientenzimmern begangen haben. Er machte Fotos und Videos davon. Vorgeworfen werden ihm auch Formen des Geschlechtsverkehrs mit minderjährigen Jungen in einer ärztlichen Bereitschaftswohnung und Taten in Kitas.
Vor dem Landgericht Potsdam begann am Vormittag der Prozess gegen den 46 Jahre alten Mediziner, dem 130 Straftaten an mehr als 70 Kindern und Jugendlichen zur Last gelegt werden.
Angeklagter legt Geständnis zu fast allen Taten ab
Der Angeklagte gestand den jahrelangen sexuellen Missbrauch zum Auftakt der Verhandlung. «Ich habe große Schuld auf mich geladen», sagte er. Er habe bereits ein Geständnis zu fast allen Taten abgelegt - denn er wolle den Opfern Aussagen vor Gericht ersparen.
Der 46-Jährige wurde aus der Untersuchungshaft mit Handschellen in den Verhandlungsraum gebracht, verfolgte die Verlesung der Anklage meist regungslos. Fotografen wurden vor dem Erscheinen des Angeklagten aus dem Saal geschickt.
Um die zweieinhalb Stunden listete Staatsanwältin Jenny Barthel die angeklagten Taten des sexuellen Missbrauchs Schutzbefohlener auf. Der Kinderarzt habe das Behandlungsverhältnis ausgenutzt, die Patienten seien ihm anvertraut gewesen. Es habe auch keine medizinische Notwendigkeit gegeben, die jungen Patienten am nackten Unterleib abzutasten, hieß es. Teils waren sie wegen Verletzungen etwa am Kopf, am Bein oder mit Magendarm-Entzündungen im Krankenhaus.
Fassungslose Eltern
Das Ausmaß der Vorwürfe erschütterte das Vertrauen von Patienten und ihren Familien. Der Kinderarzt war bis 2025 bei der Havelland Kliniken GmbH beschäftigt und in Krankenhäusern im brandenburgischen Rathenow und Nauen westlich von Berlin tätig.
Betroffene Eltern, die der Anklage zum Prozessauftakt fassungslos und auch mit Tränen in den Augen zuhörten, sind am Strafverfahren beteiligt. Insgesamt 15 Nebenkläger verfolgten mit ihren Anwälten die Verhandlung.