Karneval im TV – Spaltet Büttenhumor das Wohnzimmer?
Autor: Jonas-Erik Schmidt, dpa
, Mittwoch, 11. Februar 2026
Für viele ist Karneval im TV ein Stück Heimat, andere können mit Büttenreden und Schunkelmusik wenig anfangen. Was spricht für das närrische Fernsehprogramm und was dagegen? Eine Annäherung.
Wer sich in diesen Tagen durch das Fernsehprogramm zappt, wird auf eine deutlich erhöhte Tusch-Dichte stoßen. Die Tage vor Rosenmontag, dem hohen Feiertag für alle, die es mit Karneval, Fastnacht und Fasching halten, gelten als Hochphase sogenannter Fernsehsitzungen.
Die Inszenierung ist erprobt: Büttenredner, Tanzgruppen und Musiknummern treten in festlich geschmückten Sälen auf, während Kameras die Pointen und die folgenden Tuschsignale für ein bundesweites Publikum einfangen.
Für die einen ist Fernsehkarneval dabei ein Stück Heimat im Wohnzimmer, für die anderen eine recht sonderbare und nicht enden wollende Schunkelorgie. Kurz gesagt: Das närrische Programm spaltet das Publikum zuverlässig in Fans und Fluchtwillige. Auf welche Seite kann man sich da schlagen? Das ist der Versuch einer Einordnung.
Pro: Warum Karneval im Fernsehen toll ist
Reichweite und Barrierefreiheit
Nicht jeder kann oder will in vollen Sälen schunkeln. Angeschlagene, ältere Menschen oder Leute, die fernab der sogenannten närrischen Hochburgen (Köln, Düsseldorf, Mainz, Franken) leben, können durch Fernsehsitzungen dennoch Teil einer Tradition sein.
«Karneval ist ein Brauch, dem sich Millionen Menschen zugehörig fühlen. Und zwar nicht nur in Köln und Mainz, sondern – dort wird man es kaum glauben – auch in Brandenburg oder Thüringen. Manche Sportart wäre froh, wenn sie so viele Fans hätte», sagt der Karnevalsexperte Wolfgang Oelsner. Allein «quantitativ» ergebe es also Sinn, dieses Programm anzubieten.
Kulturelles Archiv
Fernsehsitzungen halten Bräuche - von kunstvollen Tänzen bis zu skurrilen Ritualen - fest, die sonst vielleicht in Vergessenheit geraten würden. Auch wird wohl in keiner anderen TV-Sparte noch so viel Mundart gesprochen, manchmal auch zum Leidwesen Unkundiger.
«Fernsehaufzeichnungen haben auf jeden Fall eine sehr große Bedeutung für den Karneval», sagt der Leiter des Kölner Rosenmontagszugs, Marc Michelske. Auch in einem historischen Sinne. Noch heute könne man sich Büttenreden aus vielen Jahrzehnten anschauen. «Gleichzeitig sind sie immer ein Spiegelbild der Gesellschaft», sagt er. «Wer dort sitzt, wie er dort sitzt». All das bleibe erhalten, und alle könnten es sehen.