Italienisches Lebensgefühl auf zwei Rädern - Vespa wird 80
Autor: Robert Messer, dpa
, Freitag, 26. Juni 2026
Kaum ein Fahrzeug steht so sehr für Italien wie die Vespa. 1946 begann ihr Siegeszug. Aus einem Motorroller wurde ein italienisches Nationalsymbol und eine Design-Ikone mit Fans auf der ganzen Welt.
Vor Büros und Wohnhäusern stehen sie in Italien dicht an dicht, Roller in allen Farben. Männer im schicken Anzug, Frauen im Kostüm, aber auch alle anderen steigen auf und fädeln sich waghalsig in den Verkehr der engen Straßen, das Handy am besten noch in den Helm eingeklemmt, damit die Hände frei bleiben. Die Vespa ist in Italien Teil des Alltags - zwischen Arbeit, Einkäufen, der Verabredung zum Aperitivo oder dem schnellen Weg durch die Stadt.
Vielen außerhalb Italiens gilt dieses Bild als Inbegriff italienischen Lebensgefühls: Auf dem «motorino» durch die Gassen Roms oder entlang der kurvigen Straßen der Amalfiküste brausen. Vor allem in Deutschland wurde und wird diese Leichtigkeit mit einer großen Portion Sehnsucht betrachtet. Die Vespa hat davon profitiert: Sie wurde zum Exporterfolg - sie ist nicht nur Fortbewegungsmittel, sondern vermittelt, wie sich Alltag in Italien anfühlt.
80 Jahre Kult um Roller
In diesem Jahr feiert die Vespa ihren 80. Geburtstag. Im Jahr 1946 rollten im Stammwerk des Herstellers Piaggio im toskanischen Pontedera die ersten Modelle vom Band und ein Mythos war geboren. Von einem «weltweiten Phänomen» spricht Piaggio-Chef Matteo Colaninno acht Jahrzehnte später. Dieses Wochenende findet in Rom die große Geburtstagsparty statt.
Wie bei so vielem, das später zum Kult wurde, begann auch die Erfolgsstory der Vespa unscheinbar. Der Flugzeugbauer Piaggio wollte sich nach dem Zweiten Weltkrieg ein zweites Standbein aufbauen. Der damalige Chef Enrico Piaggio hatte die Idee, ein kostengünstiges Fortbewegungsmittel für die breite Masse zu schaffen. Er entschied sich schnell, einen Motorroller herzustellen.
D'Ascanio erschuf etwas Neuartiges
Piaggio beauftragte den Ingenieur Corradino D'Ascanio, ein Modell zu entwerfen. Dieser war aber überhaupt kein Freund von Motorrädern: D'Ascanio hielt sie für unbequeme und klobige Fahrzeuge mit Reifen, die bei einer Panne schwer zu wechseln waren. Außerdem hielt er sie wegen der Kette für zu schmutzig.
Aus dieser Abneigung heraus entstand ein für die damalige Zeit revolutionäres Fahrzeug: D’Ascanio erschuf einen Roller mit einem 125-cm-Zweitaktmotor und selbsttragender Karosserie. Damit war der Motorroller leichter als herkömmliche Zweiräder. Durch den Direktantrieb am Hinterrad musste niemals eine Kette geschmiert werden. Und der freie Durchstieg vor dem Sitz war nicht nur bequem, sondern auch alltagstauglich - mit genug Platz etwa für Einkäufe.
Als Piaggio vor dem neuen Prototyp mit seinem breiten Hinterteil und der schmalen Taille stand, soll er begeistert ausgerufen haben: «Sieht aus wie eine Wespe!» Vespa ist das italienische Wort für Wespe. So war die Vespa geboren.