«Ist hart»: Das Warten der Brand-Evakuierten von Bordeaux
Autor: Rachel Sommer (Text) und Katharina Kausche (Foto)
, Mittwoch, 29. Juli 2026
Wegen der Flammen mussten Tausende in Frankreich ihr Zuhause verlassen. Noch immer sind einige von ihnen in einer Notunterkunft gestrandet. Wie lebt es sich zwischen Feldbetten und Ungewissheit?
Erschöpft sitzt Mona auf ihrem Feldbett in der Messehalle von Bordeaux und schaut in die Ferne. Seit fünf Tagen lebt die 51-jährige Personalerin in der Notunterkunft, zusammen mit Hunderten Menschen, die vor dem riesigen Waldbrand an der französischen Westküste fliehen mussten. «Es ist hart», erzählt die Mutter. «Es ist hart, denn jeden Tag hoffen wir, wieder nach Hause zu können und jeden Tag hält das Feuer uns davon ab.»
Die Situation in der Messehalle ist für die Gestrandete stressig. Am Anfang waren auch ihr Ex-Mann und ihr 23 Jahre alter Sohn mit ihr hier. Doch die beiden hielten es nicht aus und sind weitergezogen. Eine Frau hat ihnen ein Zimmer bei sich angeboten. «Jetzt bin ich ganz alleine», sagt Mona traurig.
Hunderttausende mussten ihr Zuhause verlassen
Seit Tagen lodern Feuer westlich von Bordeaux, kamen der Großstadt bis auf 15 Kilometer nah. Mehr als 42.000 Hektar Fläche fielen den Flammen zum Opfer. Das sind 420 Quadratkilometer (die Fläche des Stadtstaats Bremen).
In etlichen Kommunen mussten die Menschen wegen der Brände ihre Häuser verlassen, so auch in Saint-Médard-en-Jalles, wo Mona lebt. Mehr als 220.000 Menschen wurden evakuiert, selbst aus Altenheimen mussten die Bewohnerinnen und Bewohner wegen der nahenden Flammen heraus.
Wer konnte, ist zu Bekannten oder zur Familie gegangen oder hat sich ein Hotelzimmer gemietet. Doch Tausende Menschen hatten auf die Schnelle keine Bleibe. Für sie ging es auf das riesige Messegelände am Rande von Bordeaux. Manche der Evakuierten konnten inzwischen zurück nach Hause.
«Niemand hat erahnt, dass es so lange dauern würde»
Der Aufruf zur Evakuierung erreichte Mona mitten in der Nacht. Ein paar Sachen hatte sie bereits gepackt, doch als der Alarm um 01.00 Uhr morgens kam, dachte sie nicht, dass sie so lange von zu Hause fort sein würde. Sie habe nicht ausreichend Kleidung mitgenommen, die Seife schlicht zu Hause vergessen.
«Wir haben damit nicht gerechnet», meint Mona. «Niemand hat erahnt, dass es so lange dauern würde.» Nun müssen die Evakuierten in Spenden nach passender Unterwäsche, Handtüchern, Zahnpasta oder Shampoo suchen.