Hoher Jackpot lockt - stehen die Chancen wirklich besser?
Autor: Carsten Linnhoff, dpa
, Dienstag, 14. Juli 2026
Warum steigt die Zahl der Lottospieler gerade jetzt? Experten sehen hohe Gewinnsummen als starken Anreiz – und erklären, warum wir Wahrscheinlichkeiten oft falsch einschätzen.
Seit mehr als sieben Wochen liegen 50 Millionen Euro im Lotto-Jackpot. Das ist für die klassische Lotterie «6 aus 49» sehr ungewöhnlich. Selbst Lotto-Profis finden es bemerkenswert, dass so lange niemand die sechs Zahlen und die Superzahl richtig getippt hat. Das Phänomen verleitet viele, es doch mal zu versuchen mit dem Lottoglück - doch macht das wirklich Sinn?
Um welche Summe geht es?
Nach mittlerweile 31 Ziehungen ohne Hauptgewinn ist die Gewinnsumme im ersten Rang auf 92,61 Millionen Euro gestiegen. Seit 14 Ziehungen ist aber die gesetzlich festgelegte Obergrenze von 50 Millionen Euro erreicht. Das bedeutet: Sollte der Jackpot bei der Ziehung am Mittwoch geknackt werden, lägen sofort mehr als 42 Millionen Euro für den nächsten Gewinner der folgenden Ziehung bereit, wie ein Sprecher von Westlotto in Münster erklärt. Zuletzt wurde die erste Gewinnklasse am 25. März geknackt. Damals gingen 44,2 Millionen Euro nach Bayern.
Die Regeln für den Jackpot beim klassischen Lotto waren Ende 2023 geändert worden: Die Obergrenze wurde von 45 auf 50 Millionen Euro angehoben, zudem wurde die Ausschüttung bei Erreichen der Obergrenze abgeschafft. Bis dahin konnte der Jackpot nach Erreichen der 45 Millionen Euro mit nur sechs Richtigen, aber ohne richtige Superzahl (Gewinnklasse 2) geknackt werden.
Was ist anders als beim Eurojackpot?
Bei der europäischen Lotterie Eurojackpot wandert jeder zusätzlich eingenommene Euro nach Erreichen der Obergrenze von 120 Millionen in die 2. Gewinnklasse. Dort bildet sich also ein zweiter Jackpot.
Die Gewinnwahrscheinlichkeit liegt in beiden Lotterien für die erste Gewinnklasse bei 1:140 Millionen.
Könnte der aktuelle Boom für neue Glücksspielsüchtige sorgen?
Wohl eher nicht. «Jedes Glücksspiel hat ein Risiko», sagt Verena Küpperbusch, Leiterin der Landesfachstelle Glücksspielsucht Nordrhein-Westfalen in Bielefeld. Beim klassischen Lotto sei es aber vergleichsweise gering. «Das liegt am Zeitfaktor. Sportwetten können live stattfinden. Und rund um die Uhr. Es geht Schlag auf Schlag bei hohem Tempo. Das gibt es beim klassischen Lotto so nicht. Durch den Rhythmus Samstag/Mittwoch wird das entzerrt.»
18,3 Prozent der Bevölkerung spielen Lotto. «Das sind relativ viele. Davon haben aber nur wenige ein problematisches Glücksspielverhalten», sagt Küpperbusch.