Hauseinsturz in Görlitz: «Wir geben unser Menschenmögliches»
Autor: Sarah Knorr und Andreas Heimann, dpa
, Mittwoch, 20. Mai 2026
Einsatz zwischen Staub und Trümmern: In Görlitz kämpfen Retter mit bloßen Händen und mit schwerem Gerät gegen die Zeit. Gibt es noch eine Chance für die drei Vermissten?
Eine Stadt zwischen Hoffen und Bangen: Nach dem dramatischen Hauseinsturz im sächsischen Görlitz am frühen Montagabend ging die Suche nach den drei Vermissten weiter - ohne Erfolg. Seit den Morgenstunden waren Feuerwehr und Technisches Hilfswerk erneut unter schwierigen Bedingungen im Dauereinsatz. «Die Arbeiten laufen auf Hochtouren. Wir geben unser Menschenmögliches», sagte ein Polizeisprecher am Mittwochabend der dpa.
An der Unglücksstelle wurde es zeitweise sehr still. Anja Weigel, Leiterin der Berufsfeuerwehr Görlitz, sagte dazu am Abend: Es seien Hohlräume freigelegt worden, diese würden gerade von Kameraden des THW per Ortung untersucht - mit Sonden. «Es wird geschaut, sind irgendwo Klopfgeräusche? Kann man jemanden rufen hören, hört man vielleicht Atemgeräusche? Dazu brauchen wir absolute Stille an der Einsatzstelle.»
«Wir haben in den Trümmerkegel mit Megafon herein gesprochen, dass Reaktionen gezeigt werden sollen», sagte eine THW-Sprecherin. Zwei Teams hätten unabhängig voneinander versucht, auf diese Weise Ergebnisse zu erzielen. Leider hätten die aktuellen Messungen mit Ortungsgeräten nichts ergeben - daher würden die Sucharbeiten fortgesetzt. Am Abend begann es derweil in Görlitz zu regnen.
Wettrennen gegen die Zeit
Allen Beteiligten ist klar: Es ist ein Wettrennen gegen die Zeit. Die Einsatzkräfte gehen davon aus, dass Verschüttete bis zu 72 Stunden unter solchen Trümmern überleben könnten. Prognosen, wie wahrscheinlich es sei, die Vermissten bald zu finden, seien nicht möglich, sagte eine Sprecherin der Polizei in Görlitz. Das Haus war am Montag gegen 17.30 Uhr eingestürzt.
Im Laufe des Tages gingen die Arbeiten an der Unglücksstelle nach Einschätzung der Feuerwehr gut voran. Dabei mussten nicht zuletzt Trümmerteile des einstigen Gründerzeithauses abgetragen werden - buchstäblich mit der Hand oder mit schwerem Gerät. Beim Bergen der Trümmer waren mehrere Radlader, Bagger und Kräne im Einsatz.
Die Chancen sinken mit jeder Stunde
«Grundsätzlich gehen wir immer davon aus, dass – so lange, wie wir das Gegenteil nicht bewiesen haben – dass es noch Überlebende gibt», sagte die Leiterin der Feuerwehr Görlitz, Anja Weigel. «Die Chancen sinken natürlich mit jeder Stunde.» Sie betonte aber auch: «Aber wenn wir Glück haben, ist vielleicht eine Person in einem Hohlraum eingeschlossen. Vielleicht gibt's ja ein Wunder.»
Bei den Vermissten handelt es sich um zwei rumänische Touristinnen im Alter von 25 und 26 Jahren und einen 48 Jahre alten Mann mit bulgarischer und deutscher Staatsangehörigkeit, der sich aus beruflichen Gründen in Görlitz aufgehalten hatte.