Wettlauf gegen die Zeit - Per Hand nach Vermissten gesucht
Autor: Jörg Schurig, André Jahnke und Inga Jahn, dpa
, Dienstag, 19. Mai 2026
Nach dem Hauseinsturz in Görlitz bleibt die Lage angespannt: Noch immer werden drei Menschen vermisst, während Gas austritt. Die Suche ist herausfordernd. Die Hoffnung ist da, aber schwindet.
Die Suche nach den Vermissten in dem eingestürzten Haus in Görlitz gleicht einem Wettlauf gegen die Zeit. Die Einsatzkräfte sehen bei den möglicherweise drei Verschütteten eine Überlebenschance für bis zu 72 Stunden. Am Dienstagabend waren seit dem Einsturz mehr als 24 vergangen. «Wir sprechen immer noch von einer Vermisstensuche und nicht von einer Bergung», sagte ein Polizeisprecher. Von zwei Frauen und einem Mann fehlt weiter jegliches Lebenszeichen.
Einsatz spezieller Spürhunde
«Wir haben bisher noch niemanden gefunden», so die Leiterin der Feuerwehr in Görlitz, Anja Weigel am Dienstagabend. Bei der Suche nach den drei Vermissten nach dem Einsturz des Gründerzeithauses werden auch spezielle Spürhunde eingesetzt. «Die Hunde schlagen bei Lebenszeichen an, was sie gestern auch gemacht haben», erläuterte der Einsatzleiter der Feuerwehr Görlitz, Remo Kölzsch.
In der Nacht nach dem Einsturz und auch am Tag danach schlugen die Tiere mehrfach an. Dies lasse allerdings keine Rückschlüsse auf den Zustand der Vermissten zu, erklärte Weigel. «Die Anzahl der Stellen sagt nicht aus, wie viele Menschen da liegen.» Weil eine Explosion angenommen wird, müsse immer auch davon ausgegangen werden, dass einzelne Körperteile gefunden werden. Die Einsatzkräfte arbeiteten deshalb sehr vorsichtig, setzten ab Dienstag jedoch auch einen Bagger und einen Kran ein, um größere Trümmerteile zu bewegen.
Zwei Frauen und ein Mann werden vermisst
Die Einsatzkräfte aus Deutschland und Polen, darunter auch Ehrenamtliche, arbeiten sich außerdem mit Schaufeln und bloßen Händen durch den Trümmerberg. Immer wieder müssen sie abgelöst werden, erklärt Weigel. Die Arbeiten sind anstrengend und belastend - sollen aber auch in der zweiten Nacht nach dem Einsturz fortgeführt werden. Die Einsatzkräfte stellten sich auf viele weitere Stunden Arbeit ein.
Das Haus stürzte am frühen Montagabend ein. Vermisst werden noch zwei rumänische Touristinnen im Alter von 25 und 26 Jahren und ein 48 Jahre alter Mann mit bulgarischer und deutscher Staatsangehörigkeit, der sich aus beruflichen Gründen in Görlitz aufgehalten hatte. Zwei der ursprünglich fünf Vermissten waren kurz nach Mitternacht aufgetaucht - die beiden Feriengäste waren noch auf der Anreise. In dem eingestürzten Haus befanden sich nach Angaben der Polizei Miet- und Ferienwohnungen.
An der Unfallstelle hielt sich ein Angehöriger der beiden vermissten Frauen auf. Er wurde von Seelsorgern betreut, auch der Görlitzer Oberbürgermeister Octavian Ursu (CDU) sprach mit ihm sowie weiteren Personen, die die vermissten Frauen kannten. Nach Angaben des Rumänen waren sie angereist, nachdem er sie über den Einsturz informiert hatte.
Ursache für Einsturz weiter unklar
Die gesamte James-von-Moltke-Straße unweit des Görlitzer Bahnhofs ist weiter abgesperrt, Einsatzfahrzeuge des THW und der Feuerwehr stehen bereit. Auch eine Hundestaffel war vor Ort, um bei Bedarf eingesetzt zu werden. Die vor dem Einsturz dort noch geparkten Autos sind mit einer feinen Staubschicht bedeckt.