Hamburgs Miniatur Wunderland: Handarbeit, Pannen und Rekorde
Autor: Christiane Bosch, dpa
, Mittwoch, 12. August 2026
Etwa 1,6 Millionen Besucherinnen und Besucher jährlich, Oldtimer und moderne Elektrofahrzeuge: Im Miniatur Wunderland steckt viel Liebe zum Detail – und ständiges Tüfteln der Gründer.
Wenn Gerrit Braun an den 16. August 2001 denkt, muss er schmunzeln. Obwohl der Tag bereits 25 Jahre zurückliegt, weiß er noch genau, wie stressig die letzten Minuten vor der großen Eröffnung des Hamburger Miniatur Wunderlandes waren. «Ich habe bis zwei Minuten vor der offiziellen Eröffnung mit dem damaligen Hamburger Bürgermeister Ortwin Runde noch unter der Anlage gelegen, weil etwas nicht funktioniert hat», erinnert sich der 58-Jährige.
«Heutzutage wissen wir, was wir können und was nicht»
Geklappt hat es dann doch und die Zwillingsbrüder Frederik und Gerrit Braun konnten zusammen mit ihrem jüngeren Bruder Sebastian Drechsler im Sommer 2001 nach fast einjähriger Bauzeit eine Eisenbahnerlebniswelt in der Speicherstadt an der Elbe eröffnen. Sie sollte schon bald - 2015 - als die größte Modelleisenbahnanlage der Welt anerkannt werden.
«Wenn ich zurückblicke auf die Nacht vor unserer Eröffnung, in der ich vor Sorge kein Auge zubekommen habe, und das mit dem vergleiche, was daraus geworden ist - dann fehlen mir noch heute manchmal die Worte», sagt Frederik Braun dazu. Er hatte erst ein Jahr zuvor bei einem Urlaub in Zürich die Idee zu der Rekordanlage.
Beliebter als der Kölner Dom und Schloss Neuschwanstein
Gestartet war das Team mit einer Anlage auf rund 300 Quadratmetern. Heute sind es etwa 1.700 Quadratmeter. Mehr als 27 Millionen Menschen waren seit 2001 schon da. Das bedeutet auch: oft sehr lange Schlangen und weit im Voraus ausverkaufte Zeitslots. Günstig ist der Spaß auch nicht. Tickets kosten zwischen 10 und 22 Euro. Dennoch: Sechsmal wählten ausländische Touristen das Wunderland bereits zur beliebtesten deutschen Sehenswürdigkeit - noch vor dem Kölner Dom und Schloss Neuschwanstein.
Bis dahin aber mussten die Brüder auch einige Rückschläge einstecken. «Wir hatten den falschen Leim, die Gleise rosteten plötzlich. Wir mussten viel Lehrgeld zahlen und Sachen teilweise zweimal bauen.» Der Nebeneffekt: Die Geschwister sind längst Experten für jedes noch so kleine Relais, jedes Computerprogramm, jede Fahrzeugsteuerung und jedes Material in der Anlage. «Heutzutage wissen wir, was wir können und was nicht.» Und auch heute noch tüfteln und planen die beiden intensiv für die gigantische Modelleisenbahnanlage.
Von Knuffingen bis zum Regenwald
Knuffingen hieß die erste Welt des Miniatur Wunderlandes. «Viele Teile von damals funktionieren noch heute», sagt Gerrit Braun nicht ohne Stolz. «Das Auto Nr. 1 - ein Lastwagen einer Schokoladenmarke, die jedes Kind kennt - habe ich unter Denkmalschutz gestellt.» Noch immer fährt der lilafarbene Lkw durch Knuffingen. «Mehr als 24.224 echte Kilometer hat das kleine Modell bereits zurückgelegt», sagt er, nachdem er im Leitstand wie nebenbei das entsprechende Programm mit den Zahlen gesucht und gefunden hat.
Während in Knuffingen noch vieles beim Alten ist, ist die Anlage drumherum seitdem enorm gewachsen - und sichtbar und unsichtbar moderner geworden. «Für die Jugendlichen sind die Autos von damals alles Oldtimer.» Also wurden stattdessen moderne Modelle auf die «MiWuLa»-Straßen gestellt, auch viele Elektrofahrzeuge. Vier Jahre hat dieser Austausch gedauert. «Die Autos von heute sind alle reine Handarbeit.»