Für Tennessee ist es bereits der zweite gescheiterte Hinrichtungsversuch innerhalb weniger Monate. Im Mai hatte der Staat die Hinrichtung des Gefangenen Tony Carruthers abbrechen müssen, nachdem es nicht gelungen war, die erforderlichen intravenösen Zugänge zu legen. Anders als bei Pike wurde ihm das tödliche Medikament damals jedoch nicht verabreicht.
Was ist über das Mittel bekannt?
Pentobarbital wird in Deutschland in der Tiermedizin angewendet, wie es in einem Beitrag der Universität des Saarlandes in der Fachzeitschrift «Rechtsmedizin» heißt. Weil das Mittel bei Überdosierungen schnell zu Atemdepressionen führe, werde es zum Beispiel in der Schweiz bei Sterbehilfe oder in den USA bei der Vollstreckung von Todesstrafen eingesetzt.
Im Fall von Christa Pike halten es von der «New York Times» befragte Mediziner für möglich, dass das Pentobarbital zumindest teilweise nicht in Pikes Blutbahn, sondern in das umliegende Gewebe gelangte. Das könne erklären, warum die verabreichte Menge nicht ausreichte, um Atmung und Kreislauf vollständig zum Stillstand zu bringen.
Die Strafvollzugsbehörde von Tennessee betonte anschließend, jeder Schritt der geltenden Richtlinie sei eingehalten worden. Dieses sehe nach der zweiten Dosis keine weiteren Maßnahmen mehr vor.
Wie oft kommt es vor, dass solche Hinrichtungen scheitern?
Nach Angaben des unabhängigen Death Penalty Information Center ist aus der modernen Ära der Todesstrafe in den USA kein anderer Fall bekannt, in dem ein Gefangener die Medikamente zur Hinrichtung erhielt und anschließend weiterlebte. Bei früheren gescheiterten Hinrichtungen war die Vollstreckung demnach meist schon zuvor abgebrochen worden, etwa weil kein geeigneter Venenzugang gelegt werden konnte.
Die Giftspritze ist in den USA die häufigste Hinrichtungsmethode. Seit 2024 ist in mehreren Bundesstaaten auch eine Hinrichtung mit Stickstoff erlaubt, was in der Praxis zu einem qualvollen Todeskampf der Verurteilten führt.
Warum erging die Todesstrafe gegen Pike?
Pike war 1996 wegen des Mordes an der 19-jährigen Colleen Slemmer zum Tode verurteilt worden. Sie selbst war zur Tatzeit 18 Jahre alt. Slemmer war 1995 in Knoxville über längere Zeit misshandelt und schließlich getötet worden. In den vergangenen Jahren hatten Pikes Anwälte zunehmend ihre schwere Kindheit, psychische Erkrankungen und ihre Entwicklung während der mehr als drei Jahrzehnte in Haft in den Mittelpunkt gestellt. Gouverneur Lee lehnte ein Gnadengesuch kurz vor dem geplanten Hinrichtungstermin dennoch ab.
Ein Berufungsgericht hatte die geplante Hinrichtung zunächst gestoppt. Pikes Anwälte wollten erreichen, dass sich die Gerichte noch einmal mit der Frage beschäftigen, ob schwerer sexueller Missbrauch und andere traumatische Erfahrungen aus ihrer Kindheit sowie psychische Erkrankungen bei früheren Entscheidungen über ihr Todesurteil angemessen berücksichtigt worden waren.
Tennessee zog daraufhin vor den Supreme Court. Das höchste US-Gericht hob den Aufschub am Abend wieder auf und machte damit den Weg für die Hinrichtung frei. Bereits einen Tag zuvor hatte der Supreme Court einen anderen Antrag Pikes abgelehnt, die Hinrichtung zu stoppen.
Gibt es nun in den USA eine Diskussion über Hinrichtungen?
Umfragen zeigten in der Vergangenheit, dass die Mehrheit der Befragten in den USA an der Todesstrafe festhalten wolle. In Tennessee gab es zwar Kritik am Verlauf der Hinrichtung, eine Abschaffung wurde aber nicht diskutiert.