Was es mit dem Streit um die Wiesn-Zelte auf sich hat
Autor: dpa
, Freitag, 16. Oktober 2026
Das Oktoberfest ist der Stolz der Münchner, weltbekanntes Wahrzeichen und Identifikationsevent in einem. Und ein Millionengeschäft, um das nun vor Gericht gestritten wurde. Warum?
Ein Wiesn-Wirt will erreichen, dass die Stadt München die begehrten Plätze der großen Bierzelte nach europäischem Vergaberecht ausschreibt. Nun hat das Bayerische Oberste Landesgericht dazu eine Entscheidung gefällt, die über den Einzelfall hinaus reicht.
Worum wurde vor Gericht gestritten?
Auf dem Oktoberfest geht es nicht nur um Bier, Hendl und Trachten, sondern auch ums Geschäft. 7,4 Millionen Besucherinnen und Besucher kamen heuer und ließen erhebliche Summen vor allem auch in den Festzelten.
Wer sie betreiben darf, entscheidet sich nach einem historisch gewachsenen System, das dem Wirt Alexander Egger zu intransparent erscheint. Er hat sich deshalb zwei bekannte große Zelte herausgepickt und die diesjährige Vergabe gerichtlich überprüfen lassen. Sein Ziel: eine europaweite Ausschreibung der großen und besonders lukrativen Zelte.
Egger selbst hat bislang ein kleineres Festzelt betrieben, in diesem Jahr allerdings im Zuge des Streits auf seine Zulassung verzichtet. Nach eigenem Bekunden hatte er sich mehrfach erfolglos um ein großes Zelt beworben. Gegen diese Ablehnungen richtete sich sein Antrag allerdings nicht. Stattdessen ging es am Beispiel der Schottenhamel-Festhalle und des Paulaner-Festzelts ums große Ganze.
Wie werden die großen Festzelte bislang vergeben?
Von den 14 großen Festzelten gehören traditionell 7 den großen Münchner Brauereien, zwei weitere werden von Schützenvereinigungen betrieben. Die von ihnen vorgeschlagenen Wirtsleute gelten als gesetzt. Um die übrigen fünf großen Zelte können sich Interessierte direkt bei der Stadt München bewerben.
Die Stadt bewertet die umfangreichen Bewerbungsunterlagen anhand eines Kriterienkatalogs. Dazu zählen beispielsweise die Erfahrung auf Volksfesten, die Ausstattung, Anziehungskraft und Tradition. Am Ende stimmt der Stadtrat der Auswahl zu. Die Wiesnwirte hatten dieses Verfahren vehement verteidigt: Die Kriterien seien klar festgelegt, öffentlich einsehbar und vom Stadtrat beschlossen. Aber sie hätten natürlich auch einiges zu verlieren gehabt.
Um wie viel Geld geht es denn für die Wirte?
Umsatz und Gewinn der Wiesnwirte dürften zu den am besten gehüteten Geheimnissen der Landeshauptstadt gehören. Doch die Dimension wird deutlich, wenn man sich den Streitwert des aktuellen Verfahrens von einer Million Euro anschaut. Dem liegt eine Umsatzannahme von zehn Millionen Euro zugrunde - pro Zelt.