Gedenken an die vier Opfer der tödlichen Schüsse
Autor: dpa
, Mittwoch, 06. März 2024
Auch Tage nach den tödlichen Schüssen auf vier Menschen im niedersächsischen Landkreis Rotenburg ist das Geschehene unfassbar. Angehörige und Freunde trauern um die Opfer. Und die Polizei sucht nach Zeugen.
Kerzen brennen vor dem Backsteinhaus im niedersächsischen Scheeßel, Trauernde haben Blumen abgelegt. Auf einem gelben Zettel hat jemand sechs Herzen gemalt, eine letzte Botschaft an die vier Opfer der Schüsse im Landkreis Rotenburg (Wümme).
Wenige Tage nach dem tödlichen Angriff auf ein Kind und drei Erwachsene trauen Angehörige und Freunde. Die evangelische Kirche lädt für heute zu Gedenkandachten in die Brockeler Heilig-Kreuz-Kirche und in die Friedhofskapelle Westervesede ein. «Zusammenkommen, gemeinsam den Schmerz aushalten, Gedanken teilen und Kerzen anzünden», heißt es ohne viele Worte aus dem Kirchenkreis Rotenburg.
Ein Bundeswehrsoldat steht unter Verdacht, in den beiden Gemeinden mit einer Waffe auf vier Menschen gezielt zu haben. Die Opfer überlebten den Angriff in der Nacht auf Freitag nicht. Sie stammten alle aus dem Umfeld der Ehefrau des mutmaßlichen Täters, die beiden hatten sich getrennt. Der 32-Jährige soll erst ihren neuen Freund und dessen Mutter in Scheeßel getötet haben. Anschließend soll er im wenige Kilometer entfernten Bothel auf eine Freundin seiner Ex-Partnerin und deren dreijähriges Kind geschossen haben.
Anzeige war Waffenbehörde nicht bekannt
Kurz zuvor hatten die Noch-Ehefrau und ihr neuer Freund - eines der Opfer - Hilfe gesucht und den Verdächtigen wegen Bedrohung angezeigt. Die neue Beziehung habe zu Konflikten geführt, sagte ein Polizeisprecher. Noch am selben Tag fand nach Angaben der Ermittler eine sogenannte Gefährderansprache statt. Polizisten hätten dem 32-Jährigen die Situation erklärt und mögliche Konsequenzen geschildert. «Hierbei ergaben sich keine weiteren Hinweise auf eine unmittelbar bevorstehende Eskalation des Konflikts.»
Die Waffenbehörde des Landkreises Rotenburg (Wümme) hatte nach eigenen Angaben nichts von einer Anzeige gegen den Verdächtigen gewusst. «In den Unterlagen finden sich keinerlei Hinweise auf eine mögliche Bedrohung durch den Täter», sagte eine Sprecherin des Kreises am Mittwoch. «Eine Strafanzeige vonseiten der Polizei liegt dem Landkreis nicht vor.» Geht gegen einen Waffenbesitzer bei der Waffenbehörde eine Anzeige ein, wird normalerweise eine Prüfung eingeleitet.
Nach Angaben des Kreises besitzt der deutsche Verdächtige eine Karte, in der drei Waffen eingetragen sind. Die Voraussetzungen dafür habe der Mann nachgewiesen. Die Behörde habe die sogenannte waffenrechtliche Zuverlässigkeit im September 2023 überprüft. Dabei wurden das Bundeszentralregister, das Landesamt für Verfassungsschutz und die Polizei abgefragt. Es habe keine Auffälligkeiten gegeben. Die Aufbewahrung der Waffen sollte im Frühjahr dieses Jahres kontrolliert werden. Die nächste Prüfung wäre 2025 fällig gewesen.
Das halbautomatische Gewehr, mit dem der Tatverdächtige geschossen haben soll, ist in Deutschland nicht generell verboten. Es könne ohne weitere Auflagen erworben werden, falls ein sogenanntes waffenrechtliches Bedürfnis als Jäger oder Sportschütze nachgewiesen sei, sagte eine Sprecherin des niedersächsischen Innenministeriums der dpa. Die Regeln des Waffenrechts gelten bundesweit.