Richter an Fabians Vater gerichtet: «Ich flehe Sie fast an»
Autor: Christopher Hirsch, dpa
, Dienstag, 05. Mai 2026
Google-Suchen, KI, ein Überwachungsvideo und Handyauswertungen – der Prozess um den getöteten achtjährigen Fabian wartet mit Ermittlungsdetails auf, überzeugt aber einen wichtigen Zeugen nicht.
Mit verschränkten Armen dreht sich die Angeklagte im Gerichtssaal 2.002 des Landgerichts Rostock auf ihrem Drehstuhl hin und her. Gerade gibt das Gericht Einblick in die Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft Rostock, die sie beschuldigt den achtjährigen Fabian aus Güstrow ermordet zu haben.
Da ist das Video einer Überwachungskamera, das während der Verhandlung abgespielt wird. Es zeigt den Wagen der Angeklagten binnen weniger Minuten zweimal unweit Fabians Adresse am Vormittag des 10. Oktobers 2025.
Im entsprechenden Zeitraum wurde Auswertungen zufolge nach zuvor permanenter Aktivität das Display von Fabians Handy deaktiviert. Es wurde demnach erst wieder am Nachmittag angeschaltet, als seine Mutter nach Hause kam, dort das Handy, aber nicht den Jungen auffand.
Außerdem wird das Foto eines Waldweges gezeigt, das am Vormittag des mutmaßlichen Tattages mit dem Handy der 30-Jährigen gemacht wurde und auch ihren Hund zeigt. Laut Ermittlern befindet sich der Weg unweit des späteren Fundortes von Fabians Leiche.
Auffällige Internet-Suchen
Die Angeklagte schweigt vor Gericht bislang zu den Vorwürfen. Die Staatsanwaltschaft wirft der Deutschen vor, den Jungen am 10. Oktober vergangenen Jahres mit einem Messer getötet zu haben. Das Tatmotiv soll mit dem Ende der mehrjährigen Beziehung zusammenhängen, die sie zu Fabians Vater hatte, und die er im August 2025 beendete.
Den Ermittlungen zufolge wurde mit dem Account der Angeklagten am Tag des Verschwindens frühzeitig nach Stichworten wie «Polizei» oder auch «Person vermisst» im Internet gesucht. Den Ausführungen des Gerichts zufolge passierte dies schon, bevor Fabians Vater ihr mitteilte, dass sein Sohn vermisst wird.
Über den Account der 30-jährigen Beschuldigten wurde demnach ferner am Tag nach Verschwinden des Jungen mit Stichworten gesucht wie «fressen Wildschweine tote Menschen».