Rauch, blockierte Bremse: Entging Münchner Airport Inferno?
Autor: Sabine Dobel und Christian Ebner, dpa
, Montag, 17. August 2026
Ein Boeing-Jet der Vietnam Airlines donnert in München über das Startbahnende hinaus. Das Flugzeug hebt gerade noch ab, muss aber sofort umkehren. Die Passagiere entkommen einer Katastrophe knapp.
Staubwolke beim Start, Qualm bei der Landung, geplatzte Reifen: Nach dem Beinahe-Unglück am Münchner Flughafen läuft die Untersuchung der Ursache auf Hochtouren.
Eine Boeing 787-9 der Fluggesellschaft Vietnam Airlines mit dem Ziel Hanoi raste am Samstag über die Startbahn hinaus und konnte gerade noch starten. In den sozialen Medien geteilte Videos zeigen eine gewaltige Staubwolke und Erschütterungen in der Kabine. Bei der Landung rund zwei Stunden später ist Rauch zu sehen, der am beschädigten Fahrwerk aufsteigt. Kaum steht die Maschine, fahren zahlreiche Wagen von Feuerwehr und Rettungsdienst heran. Die Passagiere - Medien zufolge mehr als 250 Menschen - wurden laut Flughafen unverletzt mit Bussen in das Flughafengebäude gebracht.
Experte: Hätte Katastrophe mit vielen Toten geben können
Nach Meinung eines Luftfahrtexperten entging der Flughafen bei dem fehlerhaften Start nur haarscharf einer Katastrophe. «Das hätte einen Feuerball mit Hunderten Todesopfern geben können, wenn die Piloten die Maschine nicht noch hochgezogen hätten», sagt Luftfahrt-Experte Heinrich Großbongardt der Deutschen Presse-Agentur. Auch außerhalb des Flughafengeländes seien Menschen in Gefahr gewesen. Unter anderem stelle sich die Frage, warum die Crew den Start nicht rechtzeitig abgebrochen habe.
Nach Informationen der Plattform «Aviation Herald» gibt es Hinweise, dass vor dem Start mindestens die Bremsen auf der rechten Seite des Jets blockierten. Wegen der geringen Startgeschwindigkeit soll das Heck des Flugzeugs aufgesetzt haben und beschädigt worden sein. Bei der späteren Rückkehrlandung auf der Nordbahn wurden die Reifen eines Fahrwerks zerfetzt, wie auf Bildern zu sehen ist. Möglicherweise waren die Räder beschädigt, nachdem beim Start Leuchten der Landebefeuerung abgerissen worden waren.
«Wir dachten, unser letztes Stündlein hätte geschlagen», sagte eine Passagierin der Mediengruppe «Münchner Merkur/tz». Zur Landung hätten alle die Schuhe ausziehen und die Notfallposition einnehmen müssen: mit fest gezurrtem Gurt und den Händen über dem nach vorne gebeugten Kopf.
Airline spricht von technischem Problem
Den Passagieren und der Besatzung gehe es gut, teilte Vietnam Airlines mit. Die Fluggesellschaft bestätigte ein «technisches Problem» - und entschuldigte sich «aufrichtig für die entstandenen Unannehmlichkeiten». Die Flugzeugbesatzung habe alle vorgeschriebenen Verfahren eingehalten.
Flugschreiber werden untersucht
Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung seien am Wochenende vor Ort gewesen, sagte ein Sprecher. Flugdatenschreiber und Voicerecorder seien sichergestellt und nun auf dem Weg nach Braunschweig. Die Untersuchung soll klären, was sich während des Vorfalls im Cockpit abgespielt hat. Sie werde mehrere Wochen in Anspruch nehmen, dann werde es zunächst einen Zwischenbericht geben. Bis zum Abschlussbericht dürften Monate vergehen.